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TSCHECHIEN: Die erste Runde geht an Zeman

Amtsinhaber Milos Zeman gewinnt die erste Runde der Präsidentenwahl klar. Doch entschieden ist damit noch nichts.
Stefan Welzel, Prag

Freitag und Samstag waren rund acht Millionen Tschechen dazu aufgerufen, ihr neues Staatsoberhaupt zu wählen. Als Sieger der ersten Runde ging Amtsinhaber Milos Zeman mit 38,6 Prozent der Stimmen hervor. Dahinter folgt der ehemalige Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften, Jiri Drahos, mit 26,6 Prozent. Da somit keiner der insgesamt neun Kandidaten die absolute Mehrheit errungen hat, kommt es in zwei Wochen zur Stichwahl zwischen dem 73-jährigen Zeman und dem 68-jährigen Drahos.

Es ist nach 2012 erst das zweite Mal, dass die Tschechen ihren Präsidenten direkt bestimmen dürfen. Das Amt hat zwar nur repräsentativen Charakter, wurde zuletzt aber von Zeman dahingehend interpretiert, aktiver als von der Verfassung vorgesehen in den Politbetrieb einzugreifen. Sehr ungewöhnlich war, dass sich nur Unabhängige oder Vertreter von Kleinstparteien zur Wahl stellten. Die Unbeliebtheit der etablierten Parteien wie der Sozial- oder Bürgerdemokraten liess die Kandidaten Abstand zum politischen Establishment halten.

Radikales Gegenmodell

Auch wenn Zeman nun mit deutlichem Vorsprung gewonnen hat, gilt seine Wiederwahl alles andere als ausgemacht. Der Präsident scheidet mit seinen populistischen, oft fremden- und islamfeindlichen Äusserungen sowie seiner Nähe zu Putins Russland die Geister. Alle Gegenkandidaten hoben hervor, einen gänzlich anderen, sachlicheren Politstil zu pflegen. Mit Jiri Drahos hat nun der aussichtsreichste Herausforderer Zemans sein Ticket für die Stichwahl gelöst. Der Chemie-Professor gilt als radikales Gegenmodell zum Amtsinhaber: Er gibt sich weltoffen, prangert Xenophobie und Populismus an und ist für eine stärkere EU-Integration. Tschechiens Bürger stehen am 26. und 27. Januar somit vor einer Richtungswahl. Wollen sie weiterhin einen immer weiter nach rechts rückenden, polternden, aber für viele auch menschelnden Quergeist oder einen etwas kühlen, intellektuellen Vertreter der politischen Mitte als Präsidenten?

Eine Richtungswahl ist es auch in Anbetracht der turbulenten Situation im Abgeordnetenhaus. Drei Monate nach den Wahlen zur Legislative wartet Tschechien immer noch auf eine Regierung, die die Vertrauensfrage im Parlament gewinnen kann.

Stefan Welzel, Prag

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