Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Tschechen und Slowaken: Vereint, geteilt und wieder vereint

Vor hundert Jahren wurde die Tschechoslowakei gegründet. Die beiden Nachfolgestaaten sind bis heute stolz auf die Geburtsstunde des Landes – trotz schmerzhafter Vergangenheit.
Dominik Weingartner
Tomas Garrigue Masaryk, der erste Präsident der unabhängigen Tschechoslowakei, in einer Aufnahme von 1934. (Imago)

Tomas Garrigue Masaryk, der erste Präsident der unabhängigen Tschechoslowakei, in einer Aufnahme von 1934. (Imago)

Am Anfang stand das Ende. Mit dem Untergang des habsburgischen Kaiserreichs Österreich-Ungarn begann in Mitteleuropa eine neue Zeitrechnung. Die einstige europäische Grossmacht hatte Mitteleuropa über Jahrhunderte geprägt. Das Ende des Kaiserreichs kam mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, den Österreich-Ungarn verlor.

Mit dem Untergang des habsburgischen Kaiserreichs Österreich-Ungarn begann in Mitteleuropa eine neue Zeitrechnung.

Zahlreiche Staaten bildeten sich, die weltweit aufkommende Idee, dass jedes Volk seinen eigenen Staat haben sollte – der Irredentismus – brach sich Bahn. Das einst so stolze Österreich wurde arg zusammengestutzt. Nicht nur das Südtirol musste man an Italien abgeben. Ungarn wurde ein eigenständiger Staat, wenn auch selber mit grossen Gebietsverlusten. Im Süden bildete sich das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das bald im Zusammenschluss mit Serbien im Königreich Jugoslawien aufgehen sollte. Rumänien übernahm grosse Teile des einstigen Ungarn. Und Galizien schloss sich Polen an, das sich gerade neu formierte.

Im Norden des zerfallenden Kaiserreichs rief am 28. Oktober 1918 der damals 68-jährige Tomas Garrigue Masaryk in Prag den tschechoslowakischen Staat als demokratische Republik aus. Das Gebiet umfasste Böhmen, Mähren, Schlesien, die Slowakei sowie einen Teil der Karpaten, der heute zur Ukraine gehört. Masaryk hegte schon länger Pläne zur Bildung eines tschechoslowakischen Nationalstaats. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sah der ausgebildete Philosoph und spätere Schriftsteller die Chance gekommen.

Das Glück war nur von kurzer Dauer

Bereits 1916 erhielten tschechische Exilpolitiker von der Triple Entente bestehend aus Grossbritannien, Frankreich und Russland die Zusicherung, nach dem Krieg einen eigenen Nationalstaat bilden zu können. Dieser war in den ersten Jahren seiner Existenz sehr erfolgreich. Böhmen und Mähren waren die industriell am weitesten entwickelten Gebiete Österreich-Ungarns. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer. Hitler-Deutschland annektierte 1938 Tschechien und bildete das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren, die Slowakei bildete einen eigenen Staat unter deutscher Protektion. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten für die Tschechen und Slowaken – wieder vereint – 44 Jahre Sozialismus als sowjetischer Satellitenstaat. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa gingen die beiden Länder getrennte Wege. In Minne entschloss man sich 1993, je eine eigene Republik zu gründen, die 2004 in der Europäischen Union jedoch wieder vereint wurden.

Vor allem die Tschechen feiern den 28. Oktober bis heute als Geburtsstunde ihrer Nation und als offiziellen Feiertag. Dieses Jahr wird besonders gefeiert. Das tschechische Fernsehen zeigt jeden Freitag eine Familienserie zum Thema. Am Wochenende wohnen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron den Jubiläumsfeierlichkeiten bei.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.