Trumps Ziel ist unrealistisch

Zur Sache

Drucken
Teilen

Es ist beruhigend, dass Donald Trump – für einmal – nicht seinem Bauchgefühl gefolgt ist, sondern auf seine Berater hörte. Ein Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan ist vorderhand kein Thema mehr. Stattdessen hat Verteidigungsminister James Mattis die Bewilligung erhalten, zusätzliche Soldaten in den längsten Krieg zu schicken, den die USA gestartet haben. Und natürlich stimmt es, dass es fatal wäre, würde Afghanistan wieder zu einem Rückzugsort islamischer Terroristen verkommen – ein realistisches Szenario, wenn die internationalen Besatzungstruppen das Land sich selbst überlassen würden. Allein: Das von Präsident Trump verkündete Ziel, «ein Sieg» der USA in Afghanistan, ist unrealistisch – selbst wenn die amerikanischen Streitkräfte in den Worten Trumps nun «kämpfen, um zu siegen», als ob dies unter seinen beiden Vorgängern anders gewesen wäre. Mattis ist sich dessen bewusst, war er doch bereits im Herbst 2001 in Afghanistan stationiert. Auch zog er in der Vergangenheit Vergleiche zum Algerienkrieg, der 1962 mit einer Niederlage der französischen Kolonialarmee endete. Der Verteidigungsminister wird sich nun darum bemühen, die Lage in Afghanistan zu stabilisieren. Davon wird nicht nur die geplagte Zivilbevölkerung profitieren, sondern auch der Beraterstab des Präsidenten. In einem nächsten Schritt müssen Mattis und Konsorten versuchen, die Grundlage für eine diplomatische Offensive in der Region zu legen. Sonst droht die Abwärtsspirale in Afghanistan weiter zu drehen. Und Präsident Donald Trump sähe wohl, früher oder später, eine Veranlassung, doch noch seinem Bauchgefühl zu folgen. Seite 7