Trumps Polterei ist brandgefährlich

Zur Sache

Felix Lee
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Eins muss man Donald Trump lassen: Völlig falsch liegt er mit seiner Logik in der Taiwan-Frage nicht. Warum darf ihm nicht eine Präsidentin gratulieren, deren Insel die USA seit Jahrzehnten militärisch aufrüsten? Und warum sollen die USA der kommunistischen Führung in Peking den Gefallen tun und sie als einzige rechtmässige Regierung anerkennen, wenn die Volksrepublik China sich etwa im Territorialstreit im Südchinesischen Meer auch nicht ans Völkerrecht hält? Ganz der Geschäftsmann sagt er, China müsse eben auch Zugeständnisse machen. Taiwan macht er zur Verhandlungsmasse, um Konzessionen etwa in Handelsfragen zu erreichen.

Nur: In der Weltpolitik geht es weder um irgendein wildes Geschacher, wie es Trump aus dem Geschäftsleben kennt, noch um seine persönlichen Befindlichkeiten. Es geht um Diplomatie, historisch und über Jahre mühsam aufgebaute komplexe Beziehungen, die auch ein Trump nicht einfach über Nacht über Bord werfen sollte. Nicht zuletzt geht es darum, dass die zwei grössten Weltmächte zumindest soweit klarkommen sollten, um bei wesentlichen Fragen wie Welthandel, Klimaschutz, Terrorismusbekämpfung, Stabilität im Nahen Osten und Weltfinanzsystem miteinander im Gespräch zu bleiben.

So sehr dem demokratischen Taiwan die Unabhängigkeit zu wünschen ist – darum geht es Trump gar nicht. Stattdessen prescht er polternd vor, weil er Taiwan als ein Pfand gegen das immer mächtigere China auszuspielen versucht. Die Karte, die Trump da spielt, ist brandgefährlich. Für Taiwan. Die Region. Und für die ganze Welt.