Trumps «Megachurch-Event» könnte eine «Katastrophe» auslösen – trotz neuem Lüftungssystem

Ausgerechnet in Arizona, wo das Coronavirus aktuell wieder stark grassiert, hielt Trump am Dienstag eine Grossveranstaltung in einem geschlossenen Raum ab. Seine Anhänger sassen dicht an dicht zusammen – grösstenteils ohne Schutzmasken.

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Tausende von Studenten folgten Präsident Trumps Ausführungen in der Dream City Church in Phoenix – dicht an dicht und grösstenteils ohne Maske.

Tausende von Studenten folgten Präsident Trumps Ausführungen in der Dream City Church in Phoenix – dicht an dicht und grösstenteils ohne Maske.

Twitter

(watson.ch/dhr) Nach wie vor ist SARS-CoV-2 in den USA nicht unter Kontrolle: Am Mittwoch wurde der zweithöchste Tageswert an Neuansteckungen seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Präsident Donald Trump sieht den Grund dafür in der mittlerweile bedeutend höheren Zahl der Tests und empfiehlt, einfach weniger zu testen. Doch auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle steigt – ein Hinweis darauf, dass sich die Lage tatsächlich wieder verschärft.

Besonders kritisch ist die Entwicklung derzeit in den Bundesstaaten Florida, Texas und Arizona, wie Anthony Fauci, der führende US-Immunologe in der Corona-Krise, betont. Ausgerechnet in Arizona hielt Trump am Dienstag eine Grossveranstaltung in einem geschlossenen Raum ab. Es handelte sich um die Megakirche Dream City Church – eine sogenannte Megachurch – in Phoenix. In dem Gotteshaus, einem der grössten der USA, sprach Trump zu tausenden von Studenten, die sich dort eingefunden hatten, um seine Wiederwahl zu unterstützen.

Das Weisse Haus hatte die Veranstaltung im Vorfeld als Ansprache Trumps «an junge Amerikaner» bezeichnet, doch in Wahrheit war es ein kaum verhüllter Wahlkampfauftritt des durch Negativ-Schlagzeilen in Bedrängnis geratenen Präsidenten. Dessen Anhänger sassen dicht an dicht und zum grössten Teil ohne Schutzmasken im riesigen Auditorium – dies zum Entsetzen von Gesundheitsexperten, die der Versammlung das Potential bescheinigten, eine Katastrophe auszulösen, wie die «New York Times» berichtet.

Das Hauptgebäude der Dream City Church in Phoenix.

Das Hauptgebäude der Dream City Church in Phoenix.

Wikipedia

Für Trump hingegen, der sich regelmässig um die Empfehlungen seiner eigenen Gesundheitsbehörde foutiert und demonstrativ auf das Tragen einer Maske verzichtet, dürfte der Anblick des vollen Zuschauerraums eine Genugtuung gewesen sein. Am vergangenen Samstag waren bei seiner Wahlkampf-Rally im BOK-Center in Tulsa im US-Staat Oklahoma tausende Plätze in der Arena leer geblieben. Ob es sich um einen Streich von jugendlichen Tiktok-Nutzern handelte oder ob mittlerweile auch viele Trump-Anhänger sich Sorgen wegen der Ansteckungsgefahr machen, sei dahingestellt. Der geringe Zustrom war ein Flop für den Präsidenten, der stets viel Wert auf hohe Zuschauerzahlen legt.

Neues Luftreinigungssystem

Wenn es nach einem mittlerweile entfernten Video der Megachurch auf Facebook geht, bestand in der Dream City Church übrigens kein Anlass zur Sorge, sich mit dem Virus anzustecken. Pastor Luke Barnett und Geschäftsführer Brendon Zastro hatten in dem Video gesagt, das neue Luftreinigungssystem in dem Gebäude töte «99,9 Prozent von Covid [sic] innerhalb von zehn Minuten».

Pastor Luke Barnett (l.) und Geschäftsführer Brendon Zastro von der Dream City Church loben das neue Luftreinigungssystem.

Pastor Luke Barnett (l.) und Geschäftsführer Brendon Zastro von der Dream City Church loben das neue Luftreinigungssystem.

screenshot video: azfamily.com

Die neue Technologie, die im Lüftungssystem installiert worden sei, sei von einer lokalen Firma entwickelt worden, deren CEO manchmal die Kirche besuche. «Wenn Sie also in unser Auditorium kommen, sind 99 Prozent von Covid verschwunden und getötet, wenn es überhaupt dort war», beteuerte Pastor Barnett laut US-Medienberichten. Wer die Kirche besuche, sei sicher und geschützt.

Allerdings ist das neue System nicht von den Centers for Disease Control and Precention (CDC) getestet. Und Tim Bender, Geschäftsführer der Firma CleanAir EXP, die es entwickelt hat, stellte laut der «New York Times» in einem Interview fest, Barnett und Zastro hätten die Funktionsweise der Technologie nicht gänzlich verstanden. Zwar sagen Experten, dass die Technologie, mithilfe von Ionen Schadstoffe aus der Luft zu entfernen, nicht neu sei und dazu beitragen könne, die Luft in der Kirche zu reinigen.

Dies könne jedoch nicht mit der von Barnett behaupteten Geschwindigkeit erfolgen und garantiere auch keine Sicherheit vor einer Ansteckung. In einer solchen Situation, wie sie während der Veranstaltung im vollen Auditorium der Kirche bestand, finde eine Übertragung des Virus ohnehin typischerweise zwischen Personen statt, die sich über längere Zeit nahe beieinander befänden. Epidemiologen haben schon länger darauf hingewiesen, dass von Grossveranstaltungen in geschlossenen Räumen eine höhere Ansteckungsgefahr ausgeht als von jenen im Freien.

Maskenpflicht verhindert

In Arizona suchten in den letzten Wochen tausende von Einwohnern Bars und Restaurants auf, um der Hitze zu entkommen. Dies, obwohl der Bundesstaat zu jenen gehört, in denen die Covid-19-Fallzahlen derzeit am steilsten ansteigen. Der republikanische Gouverneur Arizonas, Doug Ducey, gab sich bisher als loyaler Verbündeter von Präsident Trump und beendete den Lockdown früh. Bis letzte Woche hinderte er demokratische Bürgermeister in Arizona, eine Maskenpflicht in ihren Gemeinden zu verhängen.

An einer Veranstaltung am 24. Juni trug Gouverneur Ducey nun selber eine Maske.

An einer Veranstaltung am 24. Juni trug Gouverneur Ducey nun selber eine Maske.

Keystone