Trump verbietet die Einreise von Ausländern, die sich in der Schengen-Zone aufgehalten haben. Davon ist auch die Schweiz betroffen

Der amerikanische Präsident legt im Kampf gegen das Corona-Virus eine härtere Gangart vor und verbietet für vorderhand 30 Tage die Einreise von Ausländern, die sich im europäischen Krisengebiet aufgehalten haben. 

Renzo Ruf, Washington
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Trump bei der Fernsehansprache, an welcher er den Einreisestopp für Europa bekanntgab.

Trump bei der Fernsehansprache, an welcher er den Einreisestopp für Europa bekanntgab.

Bild: Doug Mills / Pool / EPA

Falls Präsident Donald Trump mit seiner Fernsehansprache am Mittwoch das Ziel verfolgte, die angespannten Nerven zu beruhigen, dann ist ihm dies gründlich misslungen. Vielmehr erinnerte er mit seiner zehn Minuten dauernden Ansprache im Oval Office des Weissen Hauses, in der er weitgehend auf Improvisationen verzichtete, dass sich die grösste Volkswirtschaft der Welt derzeit in einem Blindflug befindet. Trump sagte: «Das ist keine Finanzkrise» und behauptete, dass das Corona-Virus sich nur temporär auf den Geschäftsgang Amerikas auswirken werde. Derweil gab an der New Yorker Börse der Leitindex Dow Jones im Vorhandel um weitere 5 Prozent oder 1100 Punkte nach.

Der Hauptgrund für diese erneute Korrektur: Trump gab einen temporären Einreisestopp für sämtliche Ausländer bekannt, die sich vor dem geplanten Aufenthalt in Amerika für 14 Tage in der Schengen-Zone aufgehalten hatten. Davon betroffen sind ab Mitternacht am Freitag sämtliche 26 Mitgliedsstaaten des Verbundes, darunter auch die Schweiz und Liechtenstein. Die Ankündigung gilt vorderhand für 30 Tagen. Der Präsident deutete zudem auch an, dass er den Handel mit Europa temporär aussetzen wolle. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter präzisierte er aber am späteren Abend, dass er nur Menschen im Visier habe und keine Güter. Und das Weisse Haus sagte, der Einreisestopp gelte nicht für amerikanische Staatsbürger oder Ausländer, die eine US-Aufenthaltsbewilligung (Green Card) besitzen.

Trotz dieser Präzisierung ist dieser Schritt für die neuere Geschichte Amerika beispiellos, auch weil davon Hunderttausende von Touristen und Geschäftsleute betroffen sind. Und die Ankündigung zeigt, wie verzweifelt das Land gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus kämpft – obwohl doch Trump noch vor einigen Tagen verkündet hatte, man habe die Lage unter Kontrolle und bald einmal werde es keine infizierte Amerikaner mehr geben. 

Trump beschuldigt Europa, nicht energisch genug vorzugehen

Der Präsident begründete die dramatische Massnahme mit der Ansteckungsgefahr, die von Europäern ausgehe. Und er beschuldigte die Europäische Union, die Gefahr unterschätzt zu haben, die vom Corona-Virus ausgehe, und keine Vorsorgemassnahmen ergriffen zu haben. Einmal mehr behauptete Trump in diesem Zusammenhang, er habe «schnell» auf die Verbreitung des Virus reagiert, indem er bereits Ende Januar die Einreise von Personen verbot, die sich in China aufgehalten hatten. Später folgte eine Einreisesperre für Personen aus Iran. Zwar entspricht es der Wahrheit, dass diese Anordnungen zum damaligen Zeitpunkt beispiellos waren. Allerdings hat die amerikanische Regierung die dadurch gewonnene Zeit seither nicht genutzt. Auch deshalb explodierte in den vergangenen Tagen die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle; derzeit liegt sie offiziell bei rund 1280. Als Folge davon häufen sich in Amerika Schliessungen und Stornierungen. So gab die Basketball-Liga NBA am Mittwoch bekannt, die laufende Saison vorzeitig zu beenden – nachdem ein Spieler der Mannschaft Utah Jazz positiv auf das Virus getestet worden war.

Immerhin gab Trump der Bevölkerung einige guten Ratschläge und verzichtete (endlich) darauf, falsche Vergleiche zwischen dem Corona-Virus und der saisonalen Grippe zu ziehen. Er sagte, sie sollen zu Hause bleiben, wenn sie sich unwohl fühlten. Er rief Amerikaner dazu auf, häufig die Hände zu waschen. Und er sagte, die Bevölkerung soll auf unnötige Reisen verzichten. Für einmal ging er mit gutem Beispiel voran und sagte eine Reise nach Las Vegas (Nevada) ab, wo er am Donnerstag an einer Konferenz jüdischer Republikaner hätte auftreten sollen. Auch seine politischen Gegner gaben am Mittwoch bekannt, vorderhand auf Wahlkampfauftritte zu verzichten. Der Demokrat Joe Biden sagte Events in Florida und Illinois ab. 

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