Trump ist im Spital – wie es dazu kommen konnte

Bis zu seiner Einlieferung ins Spital reiste US-Präsident Trump kreuz und quer durchs Land. Eine Rekonstruktion der vergangenen Tage.

Renzo Ruf aus Washington
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Der mögliche «Superspreader-Event» im Rosengarten des Weissen Hauses: Wie viele Teilnehmer haben sich bei der Präsentation der Nachfolgerin von Richterin Ruth Bader Ginsburg angesteckt?

Der mögliche «Superspreader-Event» im Rosengarten des Weissen Hauses: Wie viele Teilnehmer haben sich bei der Präsentation der Nachfolgerin von Richterin Ruth Bader Ginsburg angesteckt?

Alex Brandon / AP

Freitag, 25. September

Ein aussergewöhnlich hektischer Tag, selbst für einen Mann wie Donald Trump. Am Morgen eine Spendengala in Florida, am Nachmittag ein Gespräch mit Unterstützern in Georgia, am frühen Abend eine weitere Spendengala in Washington. An der zweiten Spendengala nimmt Ronna Romney McDaniel teil, die Vorsitzende der Republikanischen Partei. Die 47-Jährige fühlt sich einige Tage später krank; am Mittwoch wird sie positiv getestet.

Samstag, 26. September

Acht Tage nach dem Tod von Ruth Bader Ginsburg präsentiert Trump im Weissen Haus die designierte Nachfolgerin für den Sitz am Supreme Court. Im Rosengarten versammeln sich gegen 150 Menschen: Familienmitglieder, Politiker und Journalisten. Sie sitzen Schulter an Schulter. Eine Minderheit trägt eine Gesichtsmaske. Bisher wurden acht Anwesende dieser Zeremonie positiv auf das Coronavirus getestet, darunter First Lady Melania, zwei Senatoren sowie Chris Christie, der ehemalige Gouverneur von New Jersey und Freund Trumps.

Sonntag, 27. September

Trump gibt im Weissen Haus eine Pressekonferenz. Unter den Gästen befindet sich auch Christie. Denn in den Stunden zuvor half der Ex-Gouverneur seinem alten Bekannten, sich auf die anstehende TV-Debatte vorzubereiten. Neun Personen beteiligten sich an diesen Vorbereitungsarbeiten. «Niemand aber trug eine Gesichtsmaske», sollte Christie später sagen.

Dienstag, 29. September

Die Entourage des Präsidenten fliegt nach Cleveland (Ohio) zur ersten Fernsehdebatte. In der Präsidentenmaschine sitzen auch Mitarbeiter Trumps, darunter seine Beraterin Hope Hicks und sein Wahlkampf-Chef Bill Stepien. Auch sie tragen das Virus in sich.

Mittwoch, 30. September

Trump fliegt nach Minnesota, wo er an einer Spendengala teilnimmt und eine Rede hält. Unter den Anwesenden befindet sich erneut Hope Hicks. Sie fühlt sich nicht wohl. Trump wirkt müde. Er spricht nur 45 Minuten lang.

Donnerstag, 1. Oktober

Hicks lässt sich testen. Das positive Resultat trifft ein, als sich Trump zu einer Spendengala in New Jersey aufmacht. Seine Berater überlegen sich kurz, die Reise abzusagen, entscheiden sich aber dagegen. Auf Trump warten 200 Gönner. Nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus macht eine «Bloomberg»-Journalistin das Testresultat von Hicks publik. Trump gibt zwei Stunden später bekannt, dass er und Melania ebenfalls erneut getestet wurden.

Freitag, 2. Oktober

Trump bestätigt das positive Testresultat. Angeblich verschlechtert sich sein Gesundheitszustand; US-Medien berichten später, dass Trump im Weissen Haus unter Atemschwierigkeiten gelitten habe. Seine Berater entscheiden sich dazu, dass er sich in Spitalpflege begeben müsse.