Trump-Festspiele mit Misstönen

Trump bricht mit Parteitagstradition und tritt schon am ersten Tag des Konvents der US-Republikaner auf. Seine Gattin Melania singt das Loblied auf ihren Gatten in einer kopierten Rede von Michelle Obama.

Thomas Spang
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Gegen die Tradition: Trump tritt zu Beginn des Parteikonvents auf. (Bild: epa/Shawn Thew)

Gegen die Tradition: Trump tritt zu Beginn des Parteikonvents auf. (Bild: epa/Shawn Thew)

CLEVELAND. 22 Uhr Ortszeit in der Nacht auf gestern. Die Regie dreht die Beleuchtung in der «Quicken Loans Arena» herunter. Aus den Lautsprechern wummert der Queens-Welthit «We are the Champions». Dann steigt über der Bühne gleissend weisses Licht auf. Mit verzögertem Schritt tritt der Kandidat dramatisch aus dem Hintergrund hervor. Erst seine Silhouette und dann der wahre Donald Trump. «Oh, wir werden gewinnen», ruft der Showman seinen Fans zu, die in Trump so etwas wie einen Erlöser sehen. «Wir werden ganz gross siegen.»

Copyright bei Michelle Obama

Donald Trump kann nicht anderes, obwohl dies eigentlich die Stunde seiner Frau Melania sein sollte. Statt jemand anderen zu überlassen, die gebürtige Slowenin als Rednerin anzukündigen, brach er mit der Konvention auf Parteitagen, als Spitzenkandidat nicht vor dem letzten Tag aufzutreten. Es ist eine von vielen Dissonanzen des Eröffnungstags des Republikanischen Parteitags in Cleveland.

In einem unschuldig-weissen Kleid singt Melania Trump dann das Hohelied auf ihren Ehemann, der Amerika liebe, gross denke und dem Land und der Welt eine neue, starke Führung geben wolle.

Melania fand auch inspirierende Worte: «Die einzige Grenze des Erreichbaren ist die Reichweite Deiner Träume und die Bereitschaft dafür zu arbeiten.» Leider waren es nicht ihre eigenen Worte, sondern jene von Michelle Obama am Parteitag der Demokraten 2008. Ein peinliches Plagiat, das nun auf den Kabelkanälen zu sehen ist. Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort musste einmal mehr Feuerwehr spielen. Auf CNN bezeichnete er den Vorwurf als «völlig absurd». Melania habe «allgemein gebräuchliche Worte» benutzt. Dies sei ein Beispiel, das nur zeige, was mit Frauen passiere, die Hillary Clinton zu nahe kämen. Eine bizarre Erklärung, aber eine, die beim Publikum zieht.

«Hillary ins Gefängnis»

Dass einer der Hauptredner am Eröffnungstag, der ehemalige Chef des militärischen Geheimdienstes DIA, Generalleutnant Michael Flynn, von der Bühne in die aus der Zuhörerschaft skandierten Rufe «Hillary ins Gefängnis» einstimmt, illustriert den Verfall der politischen Sitten bei den US-Konservativen. Der ehemalige Bürgermeister von New York, Rudi Giuliani, lässt sein «Law and Order»-Plädoyer in dem Satz kulminieren: «Wer möchte, dass uns Hillary beschützt? Ich nicht.»

Offener Dissens

Doch die Republikaner haben erkennbar Schwierigkeiten, sich hinter ihrem Spitzenkandidaten zu scharen. Wenige Stunden nach Eröffnung des Parteitags liessen die «Never-Trump»-Kräfte das deutlich werden, als sie den Aufstand wagten und eine namentliche Abstimmung über die Parteitagsregeln verlangten. Aber die Parteitagsregie überrollte die Opposition mit einer Abstimmung per Akklamation.

Viele Gegner Trumps haben das kommen sehen und sind nicht angereist. Weder die beiden Ex-Präsidenten Bush senior und junior noch die früheren Spitzenkandidaten John McCain und Mitt Romney oder der gastgebende Gouverneur Ohios nehmen an den Trump-Festspielen teil.