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Trump fällt May in den Rücken

Mit einer beispiellosen Breitseite hat US-Präsident Donald Trump die britische Premierministerin im Vorfeld seines Besuches in London düpiert. Einmal dort angekommen, wollte er allerdings nichts mehr von seiner Kritik wissen.
Sebastian Borger, London
Donald Trump und Theresa May bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Aylesbury. (Stefan Rousseau/Getty, 13. Juli 2018)

Donald Trump und Theresa May bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Aylesbury. (Stefan Rousseau/Getty, 13. Juli 2018)

In der schmalzigen Filmkomödie «Love, Actually» spielte Hugh Grant 2003 einen britischen Premierminister, der den Besuch eines arroganten und sexistischen US-Präsidenten erdulden muss. In der Pressekonferenz machte der gequälte Regierungschef seinen Gefühlen Luft. Das Verhältnis zu den USA habe sich verschlechtert, sagte er und fügte hinzu: «Ein Freund, der uns herumschubst, ist kein Freund mehr.»

Ob Theresa May gerne etwas Ähnliches gesagt hätte, als sie gestern Nachmittag mit Donald Trump vor die Kameras trat? Die 61-Jährige müsste schon sehr abgebrüht sein, wenn sie sich vom US-Präsidenten nicht düpiert fühlte. Aber die Konservative würde an diesem Tag nicht die Vollendung ihres zweiten Jahres in der Downing Street feiern, wenn sie nicht gelernt hätte, sich zu beherrschen. Also griff sie zu altbekannten Floskeln: Die Beziehungen zu den USA seien hervorragend und würden nach dem Brexit im kommenden März noch besser werden – wenn die beiden Länder nämlich den geplanten Freihandelsvertrag abschliessen würden. Nur einmal in ihrem vierminütigen Eingangsstatement liess May durchblicken, dass es hinter verschlossenen Türen nicht nur gemütlich zuging. Auf der Weltbühne müsse man «gelegentlich auch dazu bereit sein, Dinge zu sagen, die andere nicht hören wollen».

«Boris Johnson hat die richtige Einstellung. Er wäre ein grossartiger Premierminister.»

Das musste sie gewesen sein – die Anspielung auf jenes Zeitungsinterview, mit dem Trump am Abend zuvor die Krise der britischen Regierung wegen des EU-Austritts mutwillig vergrösserte. Er habe May gesagt, wie sie die Verhandlungen mit der EU führen solle, wird der US-Präsident im Boulevardblatt «The Sun» ­zitiert. «Aber sie hat nicht auf mich gehört.» Die im neuen Weissbuch angestrebte enge Kooperation mit Brüssel sei «nicht das, wofür die Menschen gestimmt haben». Hingegen lobte Trump den als Aussenminister zurückgetretenen Brexit-Cheerleader Boris Johnson für dessen «richtige Einstellung: Er wäre ein grossartiger Premierminister.» Die gestrige Ausgabe des Blattes mit der Schlagzeile «May hat den Brexit ruiniert» war in Regierungs- und Parlamentszirkeln das Thema Nummer eins. «The Sun» gehört zum Imperium des US-australischen Medienzaren Rupert Murdoch, welcher der EU seit langem feindselig gegenübersteht.

Interview als Fake News heruntergespielt

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz war von den kritischen Tönen dann aber nichts mehr zu hören. Trump spielte das Interview als Fake News herunter und überhäufte die Gastgeberin stattdessen mit Komplimenten: Die Premierministerin sei «ganz besonders», er empfinde grosse ­Zuneigung für sie. Neben der mit stoischer Miene zuhörenden Regierungschefin schwärmte er von den «sehr, sehr starken Beziehungen» zwischen den beiden Staaten. Die grundlegenden Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung der Nato und des Welthandels – alles vergeben und vergessen.

Queen Elizabeth II. empfing den US-Präsidenten tradionsgemäss im Schloss Windsor. (Pablo Martinez Monsivais/AP, 13 Juli 2018)

Queen Elizabeth II. empfing den US-Präsidenten tradionsgemäss im Schloss Windsor. (Pablo Martinez Monsivais/AP, 13 Juli 2018)

Trumps erster offizieller Termin auf der Insel war am Donnerstagabend ein Besuch auf Schloss Blenheim bei Oxford, dem ­Geburtsort des berühmten Weltkrieg-Premiers Winston Churchill (1874–1965). Dort wurden der US-Präsident und seine Gattin Melania von May und ihrem Mann Philip mit militärischen Ehren empfangen. Beim anschliessenden Galadinner habe Trump höchst positiv über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Atlantikanrainern gesprochen, teilte Aussenhandelsminister Liam Fox mit.

Wasser auf die Mühlen der Brexiteers

Das hatte in Trumps «Sun»-Interview noch ganz anders geklungen. Die vor Wochenfrist festgelegte weichere Brexit-Linie, die den Rücktritt Boris Johnsons sowie des Brexit-Ministers David Davis nach sich gezogen hatte, mache den ins Auge gefassten Freihandelsvertrag unmöglich, heisst es darin. «Wir müssten ja wieder mit der EU verhandeln ­anstatt mit dem Vereinigten ­Königreich», sagte Trump. Tatsächlich wünschen sich die Briten eine Freihandelszone für Güter mit der EU. Weil die Brexiteers dagegen Sturm laufen, stellten die Äusserungen Wasser auf deren Mühlen dar.

Zehntausende Briten demonstrierten gegen die Anwesenheit des Staatsgastes, wie hier auf dem Parliament Square im Herzen Londons. (Matt Dunham/AP, 13. Juli 2018)

Zehntausende Briten demonstrierten gegen die Anwesenheit des Staatsgastes, wie hier auf dem Parliament Square im Herzen Londons. (Matt Dunham/AP, 13. Juli 2018)

Gestern rundete eine Tasse Tee mit Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor das gut 24-stündige Besuchsprogramm des US-Präsidenten ab. Von den Protesten gegen seine Person dürfte Trump dort nur wenig mitbekommen haben. Zehntausende Briten demonstrierten in London, Glasgow und Edinburgh gegen die Anwesenheit des Staatsgastes, geleitet von einem sechs Meter hohen Heliumballon in Form eines zornigen Trump-Babys in Windeln.

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