Trump droht bereits mit Unruhen

Donald Trump gegen Hillary Clinton – was einst als undenkbar galt, wird immer wahrscheinlicher. Im Herbst könnten die beiden ungeliebten Kandidaten in der Ausmarchung um das Weisse Haus gegeneinander antreten.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Am Morgen nach seinen rauschenden Wahlsiegen am «kleinen Super-Dienstag» hält der Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung der Republikaner eine Warnung für die Parteiführung parat. «Ich denke, es wird Unruhen geben», sagte Donald Trump in einem Interview mit CNN. Die Moderatorin hatte ihn gefragt, ob seine Anhänger es hinnähmen, wenn er mit den meisten Delegierten an den Parteitag käme, und dann ein anderer zum Kandidaten gekürt würde. «Ich repräsentiere viele, viele Millionen Menschen.»

Anhänger nehmen es wörtlich

Ein Sprecher der Partei versuchte die offene Drohung mit Gewalt auf den Strassen später als «bildlich» herunterzuspielen. Doch Trump meint, was er sagt. Und seine Anhänger haben an den Kundgebungen in den vergangenen Tagen gezeigt, wie wörtlich sie ihn verstehen. Diese Episode vom Tag nach den Vorwahlen in den fünf grossen Bundesstaaten Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio illustriert die Wahl, vor die der Rechtspopulist die «Grand Old Party» stellt: Trump oder Chaos.

Weder die Gewalt an seinen Anlässen noch die vulgäre Sprache und schon gar nicht seine radikalen Forderungen schreckten die republikanischen Wähler davor ab, dem Rechtspopulisten am Dienstag zu einem grossen Wahlsieg zu verhelfen.

Rund zwei Drittel aller Republikaner sprachen sich in Nachwahl-Umfragen für ein temporäres Einreiseverbot für Moslems für die USA aus. Vier von zehn unterstützen die Ausweisung von elf Millionen Einwanderern ohne legalen Status. Mit Ausnahme des Bundesstaates Ohio, in dem der beliebte Gouverneur John Kasich einen Pflichtsieg holte, räumte Trump ab.

«Es war nicht Gottes Plan»

Er liegt nach dem vorläufigen Stand der Auszählung mit rund 270 Delegierten vor dem nächsten Verfolger Ted Cruz, der gehofft hatte, die Differenz unter 200 zu halten. In jedem Fall hat er schon mehr als die Hälfte der 1237 Delegierten und erfüllt die Voraussetzungen für eine Kandidatur. Nach der Regel 40 des Parteitags in Cleveland kann sich im Juli dort nur zur Wahl stellen, wer die Mehrheit der Delegierten in acht Bundesstaaten oder Territorien gewonnen hat.

Ob es einen Herausforderer geben wird, der diese Bedingung erfüllt, bleibt so fraglich wie die Erfüllung der Hoffnung des Parteiestablishments, Trump daran hindern zu können, die Hälfte der Delegierten in den ausstehenden Wahlen zu gewinnen.

Nachdem Trump schon den Favoriten des Establishments, Jeb Bush, aus dem Rennen gedrängt hatte, musste nun auch sein «Nachfolger» Marco Rubio aufgeben, nach einer demütigenden Niederlage in seinem Heimatstaat Florida. «Es war nicht Gottes Plan, dass ich Präsident von Amerika werde», sagte der 45jährige Senator, in dem viele die Zukunft der Partei sahen. Rubio forderte die Amerikaner mit Blick auf Trump auf, «nicht der Furcht nachzugeben».

Entscheid am Parteitag?

Rubios bisher gewonnene Delegierten gehen nun ungebunden an den Wahlparteitag und könnten dort für einen anderen Kandidaten stimmen. Das beflügelt die Phantasien von einem Parteitag, an dem Trump die Kür zum Präsidentschaftskandidaten verbaut werden kann. Für den moderaten Kasich wäre dies der einzige Weg zur Nominierung. Die Tafel an Kasichs Wahlparty mit dem Slogan «Wie Ohio wählt, so wählt die Nation» war doch nicht viel mehr als frommes Wunschdenken eines enthusiastischen Wahlsiegers.

Angesichts des Wahlkalenders und der mathematischen Realitäten dürfte sich das nach Ansicht von Analysten schon sehr bald als ein aussichtsloses Unterfangen erweisen. Dennoch gibt sich Kasich optimistisch. «Wir werden bis nach Cleveland gehen und die Nominierung gewinnen.»

Das gelobte auch Ted Cruz, der näher an der Realität dran sein dürfte, wenn er vor seinen Anhängern verkündete: «Jeder Republikaner hat am Morgen danach eine klare Wahl: Nur wir oder Trump haben einen Weg zur Nominierung.» Cruz setzt darauf, zur Alternative des Establishments in Washington zu werden, das den ultrakonservativen Senator aus Texas bisher mindestens so sehr verachtet hat wie Trump.

Clinton deutlich vorne

Je mehr das Rennen der Republikaner Gräben aufreisst, desto weiter zieht Hillary Clinton bei den Demokraten davon. Am Dienstag hängte sie ihren Herausforderer auf der Linken, Bernie Sanders, mit fünf Siegen in den fünf Bundesstaaten überraschend deutlich ab. Sie führt das Delegierten-Rennen nun mit rund 300 Stimmen und hat etwa zwei Drittel der notwendigen Stimmen für die Nominierung am Parteitag in Philadelphia im Juli. In ihrer Siegesrede in Ohio tat sie bereits so, als habe sie das Rennen gewonnen. Sie dankte Sanders für den «lebhaften Wahlkampf» und wandte sich dann Donald Trump zu.

Beide Favoriten unbeliebt

Nach einer jüngsten Gallup-Umfrage mögen die Amerikaner beide Spitzenreiter nicht. Dabei ist Trump mit einem Unbeliebtheitswert von 63 Prozent noch unpopulärer als Clinton mit 53 Prozent. «Es gibt keine vergleichbare Wahl in der modernen Zeit, in der beide führenden Kandidaten für die Nominierung so sehr gespalten haben und so schwach gewesen waren», erklärte Wahlstratege Steve Schmidt, der George W. Bush 2004 und John McCain 2008 beriet. «Das ist beispiellos.»

Präsident Barack Obamas langjähriger Berater David Axelrod erwartet eine Schlammschlacht, wenn es zu einem Aufeinandertreffen der beiden New Yorker kommt.