Trotz Tauwetter – die Raketen bleiben

Zur Sache

Angela Köhler
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Die Gefahr ist gebannt, der olympische Frieden scheint gesichert. Nordkorea wird die Winterspiele in Pyeongchang weder boykottieren noch voraussichtlich durch Atom- oder Raketentests stören. Das Ergebnis der ersten Gespräche seit 2015 ist zwar eher marginal. Aber auf der Koreanischen Halbinsel werden auch Selbstverständlichkeiten in der Politik zu Besonderheiten.

Es war schon eine grenzwertige Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, die Spiele 2018 nur 80 Kilometer von der gefährlichsten Demarkationslinie der Welt entfernt abzuhalten. Immerhin hat ausgerechnet diese riskante Merkwürdigkeit dem innerkoreanischen Dialog ein Tauwetter beschert. Selbst US-Präsident Donald Trump findet es plötzlich wichtig, dass Nord- und Südkorea wieder miteinander sprechen. Dabei wird übersehen, dass sich die beiden verfeindeten Staaten vor zwei Jahrzehnten viel weiter angenähert hatten. Dank der von Südkorea initiierten «Sonnenscheinpolitik» besuchten damals Hunderttausende südkoreanische Touristen den Norden, später fand in der gemeinsamen Industriezone Kaesong so etwas wie eine ökonomische Wiedervereinigung statt.

All das liegt nun auf Eis. Stattdessen versetzt Nordkoreas Diktator Kim Jong Un die Welt in Angst und Schrecken. Jetzt muss man es bereits als «leichte Aufheiterung» bezeichnen, dass Kim überhaupt wieder mit sich reden lässt. Die internationale Gemeinschaft scheint sich allmählich damit abzufinden, dass Nordkorea auf dem Weg zur realen Atommacht kaum zu stoppen ist – jedenfalls nicht friedlich. Entscheidend wäre es darum, dass das Tauwetter die Olympischen Spiele nun überdauert. Seite 7