Trauer um Religionsschüler

Nach dem Anschlag auf eine Religionsschule in Jerusalem herrscht in ganz Israel höchste Alarmstufe. Die Armee verhängte eine Ausreisesperre über das Westjordanland. Rechtspolitiker verlangten den Abbruch der Friedenskontakte mit den Palästinensern.

Susanne Knaul/Jerusalem
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Bewusst im Visier des Attentäters: Orthodoxe Juden in der angegriffenen Religionsschule in Jerusalem. (Bild: rtr/Yannis Behrakis)

Bewusst im Visier des Attentäters: Orthodoxe Juden in der angegriffenen Religionsschule in Jerusalem. (Bild: rtr/Yannis Behrakis)

Der 25jährige palästinensische Attentäter stammt aus Ostjerusalem und war im Besitz eines israelischen Ausweises. Er wurde von einem Soldaten noch am Tatort erschossen. Seine Familie hisste gestern die Flaggen von Hamas und Hisbollah.

Er wählte sein Anschlagsziel offensichtlich bewusst aus. Die Mercaz-Harav-Yeshiva gilt als Flaggschiff des «religiösen Zionismus», aus dem die Väter der jüdischen Siedlungen hervorgingen. Die islamischen Extremisten im Gaza-Streifen feierten denn auch «die heldenhafte Operation, die nicht die letzte sein wird», nicht nur als militärischen, sondern auch als politischen Erfolg. Tausende Palästinenser waren noch in der Nacht auf gestern zu einer Freudenkundgebung auf die Strassen gezogen.

«Reaktion» auf Angriffe Israels

Fawsi Barhoum, Sprecher der Hamas im Gaza-Streifen, stellte den Anschlag in Zusammenhang mit der israelischen Militäroperation «Heisser Winter» im Gaza-Streifen. Das Attentat sei eine «normale Reaktion auf das Massaker, bei dem über 120 Menschen, darunter 30 Kinder, Frauen und Alte getötet wurden». Ohne im Namen der Hamas die Urheberschaft des Anschlags zu beanspruchen, lobte Barhoum den Anschlag als Teil des «legitimen Widerstandes gegen die Besetzung». Auch ein anderer Hamas-Sprecher hat gestern die Verantwortung für das Attentat abgelehnt.

Nach Auskunft des israelischen Polizeisprechers Micky Rosenfeld arbeitete der Attentäter als Fahrer und hatte einen israelischen Ausweis. Mit einem Gewehr und einer Pistole bewaffnet, sei er durch den Haupteingang in die Bibliothek der Talmudschule gekommen, wo er sechs Munitionsmagazine auf die zumeist noch minderjährigen Studenten abfeuerte.

«Zeit für gläubigere Führung»

Der Chefrabbiner der Schule, Jaakov Shapira, mahnte, dass «die Zeit gekommen ist für eine gute und stärkere Führung, eine gläubigere Führung». Die rechtsnationale Partei Israel Beitenu forderte die Aussetzung der Friedensverhandlungen. Aussenministerin Livni hatte aber Mitte Woche die palästinensische Führung unter Mahmud Abbas für die Unterbrechung des Friedensprozesses wegen der Militäroffensive in Gaza kritisiert.