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Es fliessen Tränen des Glücks bei Treffen zwischen Nord- und Südkoreanern nach fast 65 Jahren

Südkoreaner treffen Verwandte aus dem Norden, nachdem sie im Korea-Krieg voneinander getrennt wurden. Es sind äusserst emotionale Wiedersehen – für viele die ersten nach Jahrzehnten, und für die meisten wohl auch die letzten.
Angela Köhler, Tokio
Schwelgen in Erinnerungen: Die 90-jährige Chun Hye Ock trifft ihre Nichte Kim Yun Kyung im nordkoreanischen Diamantgebirge. (Bild: AP (20. August 2018)

Schwelgen in Erinnerungen: Die 90-jährige Chun Hye Ock trifft ihre Nichte Kim Yun Kyung im nordkoreanischen Diamantgebirge. (Bild: AP (20. August 2018)

Bevor sich die Türen des Speisesaals des Mount-Kumgang-Hotels öffneten, wurden erst einmal reichlich Papiertaschentücher verteilt. Jeder der 89 ausgewählten Südkoreaner durfte so viele Pakete greifen, wie er wollte oder tragen konnte. Für die folgenden elf limitierten, kostbaren Stunden ist dies das wichtigste Requisit, um der Glückstränen einigermassen Herr zu werden. Zum ersten Mal nach mehr als drei Jahren Kontaktsperre zwischen Bürgern der beiden Korea konnten Senioren aus dem Süden wieder einmal 180 handverlesene Verwandte aus dem Norden treffen.

Bis morgen Mittwoch finden die Wiedersehen in dem Parteiressort im nordkoreanischen Diamantgebirge noch statt. Es sind streng getaktete und regulierte Zeitfenster, um Fragen nach dem Leben seit Kriegsende zu stellen und sich nach all den Jahren wieder kennen zu lernen. Für viele Teilnehmer ist es das erste Treffen seit rund 65 Jahren – für die meisten wird es gleichzeitig auch das letzte sein. Denn kaum einer ist jünger als 80 Jahre.

Unter den Augen nordkoreanischer Aufpasser

Unter Schirmherrschaft des Internationalen Roten Kreuzes und unter Augen und Ohren nordkoreanischer Aufpasser fanden emotionale, aber auch sehr traumatische Szenen statt. «Ich bin es! Kannst du dich noch an mich erinnern?», war wohl die meistgestellte Frage im Raum. Und dazu der Seufzer. «Es ist so ein grosses Glück, dass du so alt werden konntest.» Kim Jong Gyu hegt gemischte Gefühle. «Einerseits fühle ich mich so glücklich, meinen Bruder noch einmal zu sehen», sagt die 83-Jährige. «Aber dass uns nur ein paar Stunden vergönnt sind nach so vielen Dekaden der Trennung, ist wirklich hart. Die Zeit ist zu kurz, und das zerreisst mir das Herz.»

Der Korea-Krieg von 1950–53 schickte eine ganze Nation auf die Flucht. Die darauffolgende Teilung der Halbinsel in den kommunistischen Norden und die Militärdiktatur im Süden hat Familienbanden abrupt zerschnitten. Die Hoffnung der Flüchtenden, ihre alte Heimat bald wiederzusehen, ging im Kalten Krieg unter, als der Eiserne Vorhang auch in Korea fiel. Von beiden Seiten waren private Kontakte verboten. Es gab keinerlei persönliche Kommunikation, nicht per Post oder Telefon und schon gar nicht direkt. Legale Familienzusammenführungen waren undenkbar, ebenso die Flucht über die am strengsten bewachte Grenze der Welt.

Wenn die politische Grosswetterlage Treffen wieder mal zu ermöglichen schien, wurde eine Art Begegnungsshow organisiert. Bisher haben 22 solche Zusammenführungen stattgefunden, zum ersten Mal 1985. Dem Regime in Pjöngjang waren viele dieser emotionalen Begegnungen jedoch so suspekt, dass es mehrere ähnliche Verabredungen platzen liess. Oder damit Geld erpressen wollte, wie es kurz nach seiner Amtseinführung auch der junge Diktator Kim Jong Un praktizierte.

Die meisten Antragsteller sind bereits verstorben

Seit dem vorübergehenden politischen Tauwetter im Jahr 2000 liessen die Kommunisten jedoch auch immer mal wieder solche staatlich gelenkten Wiedersehen zu. Selbst der südkoreanische Präsident Moon Jae, dessen Eltern im Winter 1951 in den Süden flohen, sah 2006 bei einem solchen Treffen seine in Nordkorea lebende Tante zum ersten Mal. Nach Angaben des Roten Kreuzes und der südkoreanischen Regierung haben rund 116000 Koreaner auf beiden Seiten der Demarkationslinie einen Antrag auf eine solche Wiederbegegnung gestellt. Seit 1985 sind 75000 dieser Antragsteller verstorben, ohne ihre Verwandten je wiedergesehen zu haben. Bis heute dürfen nicht mehr als rund 200 – offiziell in einer Lotterie, in der Realität aber wohl aus Gründen politischer Zuverlässigkeit – ausgewählte Menschen jeweils auf die andere Seite der Grenze fahren.

Bei ihrem Gipfeltreffen im April am Grenzkontrollpunkt Panmunjom haben Südkoreas Staatschef Moon und Nordkoreas Kim Jong Un diesen Kontakt wieder verabredet und nun aufgenommen. Von Mittwoch bis Freitag werden sich weitere Familien auf südkoreanischer Seite treffen.

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