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Thailand: Touristenparadies stösst an Grenze

Überfüllte Flughäfen, gesperrte Strände, entnervte Einheimische: Thailand leidet unter seiner Beliebtheit bei Touristen. Der jüngste Ansturm chinesischer Besucher bringt besondere Probleme mit sich.
Ulrike Putz, Singapur
Ein Tourist an der Maya Beach auf der Insel Ko Phi Phi. Der berühmte Strand ist derzeit gesperrt. (Bild: Sakchai Lalit/Keystone (Thailand, 31. Mai 2018))

Ein Tourist an der Maya Beach auf der Insel Ko Phi Phi. Der berühmte Strand ist derzeit gesperrt. (Bild: Sakchai Lalit/Keystone (Thailand, 31. Mai 2018))

Zu Beginn der Hauptreisezeit in Europa hagelte es wenig gute Nachrichten aus Thailand: Anfang Juni wurde der Maya Beach auf der Ferieninsel Ko Phi Phi gesperrt. Die durch den Leonardo-di-Caprio-Film «The Beach» berühmt gewordene Bucht war dem Ansturm der Sonnenhungrigen nicht länger gewachsen. Die Schnellboote, die bis zu 4000 Besucher täglich an den weissen Sandstrand brachten, hatten so viel Sand aufgewirbelt, dass die Korallenriffe darunter verschüttet und erstickt worden waren.

Auch aus anderen Ecken Thailands gibt es Ernüchterndes zu hören: Auf Phuket etwa sah sich die Polizei genötigt, spezielle Patrouillen loszuschicken, um Touristen vor aufdringlichen Strassenhändlern zu schützen.

Infrastruktur stösst an Grenzen

Thailand ist eine Touristendestination, die sich immer noch wachsender Beliebtheit erfreut. Im Mai dieses Jahres kamen im Vergleich zum Vorjahr 6,4 Prozent mehr Besucher in das Land das Lächelns. Doch die Statistik des thailändischen Tourismusministeriums wurde in Bangkok mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Den meisten Thailändern gilt der Tourismus inzwischen als Fluch und Segen zugleich. Tourismus ist eine Industrie, die einerseits etwa 20 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, andererseits jedoch die Infrastruktur und die Bevölkerung des Landes einem andauernden Dichtestress aussetzt. Wasser- und Stromversorger, die Strassennetze und Gesundheitseinrichtungen sind nicht darauf eingerichtet, zusätzlich zu den 67 Millionen Einwohnern Thailands noch Heerscharen von Touristen zu versorgen.

Und die Horden kommen: Zog es 2011 nur 16 Millionen Neugierige in das ehemalige Siam, werden dieses Jahr bereits 38 Millionen Touristen erwartet. Für 2030 erwartet Bangkok einen Anstieg auf 60 Millionen. Selbst die für ihre Freundlichkeit berühmten Thailänder sind langsam mit ihrer Geduld am Ende. Konflikte zwischen Einheimischen und Fremden enden immer öfter in Gewalt. Im vergangenen Jahr wurde Thailand im jährlichen Tourismus-Report des Weltwirtschaftsforums denn auch als eines der gefährlichsten Reiseländer weltweit gebrandmarkt. Auf Platz 118 von 136 beurteilten Ländern landete es weit hinter Sierra Leone, Algerien oder Kongo.

Um dem Ansturm der Fremden Herr zu werden, arbeiten auch Flughafenbetreiber an der Erweiterung der Passagierkapazitäten. Die Regierung investiert 6 Milliarden Franken, um Bangkoks zwei Flughäfen auszubauen.

Besonders ungehalten sind die Thailänder, weil immer mehr Chinesen ihr Land bereisen. Inzwischen stammt jeder dritte Tourist in Thailand aus der Volksrepublik, allein im Mai reisten 800000 Chinesen ein. Sie gelten als Billigtouristen, Rüpel und Geizkrägen, die, abgesehen von ihrer Pauschalreise im Land, keinen Rappen ausgeben.

Die Ressentiments gegen Chinesen wurzeln tief: Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten Tausende aus Südchina nach Thailand ein. Viele Neuankömmlinge machten ein Vermögen, was sie nicht beliebter machte. Bis heute sind die reichsten Familien Thailands chinesischstämmig. Der jetzige Ansturm der Chinesen wird von vielen Thais als Bedrohung ihrer Identität empfunden. Thailand war als einzige Nation Südostasiens nie kolonialisiert und schöpft daraus Nationalstolz.

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