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Tote bei Schlagabtausch zwischen Israel und Hamas

Zum ersten Mal seit dem Krieg vor fünf Jahren flog Israels Luftwaffe einen gezielten Tötungsangriff auf einen Hamas-Funktionär im Gazastreifen. Für die islamistische Führung im Gazastreifen bedeutet das eine Zuspitzung der Gewalt.
Susanne Knaul, Jerusalem
Eines der palästinensischen Gebäude, welches beim israelischen Luftangriff zerstört wurde. (AP Photo/Khalil Hamra) Bild: Khalil Hamra/AP (Gaza, 5. Mai 2019)

Eines der palästinensischen Gebäude, welches beim israelischen Luftangriff zerstört wurde. (AP Photo/Khalil Hamra) Bild: Khalil Hamra/AP (Gaza, 5. Mai 2019)

Zehn Tage vor Beginn des Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv kommt es erneut zu einem Schlagabtausch zwischen Israel und dem Gazastreifen. Drei israelische Zivilisten und mindestens 12 Palästinenser, darunter eine schwangere Frau und ein 14 Monate altes Baby, kamen bis am Sonntagnachmittag zu Tode. Israel wies die Verantwortung für Mutter und Kind zurück. Die beiden seien von einer fehlgeleiteten Rakete der Hamas getötet worden, hiess es.

In der Nacht zum Sonntag sprengte die Armee einen Tunnel, der offenbar vom Islamischen Dschihad angelegt worden war. Umgekehrt gab es mehrere hundert Raketenangriffe, von denen das Luftabwehrsystem Eisenkuppel etwa ein Viertel abfangen konnte. Die Schulen im Süden Israels sowie die Ben-Gurion-Universität in Beerschewa blieben geschlossen. Militärsprecher Ronen Manelis rechnet damit, dass der Schlagabtausch noch «mehrere Tage» andauern wird.

Song Contest explizit im Visier

So zügig, wie sich die letzten Runden der Raketen gegen Israel und Luftangriffe auf den Gazastreifen beilegen liessen, klappt es diesmal nicht. Immer neue Tote und Verletzte melden die Rundfunkanstalten. Unter Bezugnahme auf «eine politische Quelle der Hamas» berichtete die liberale Tageszeitung «Haaretz» über die Verbindung der neuen Raketenangriffe zum ESC, nächste Woche in Tel Aviv. «Es kann nicht sein, dass sie singen und es guthaben, während wir leiden», zitiert die Zeitung. Israel verzögere eine Umsetzung der vor den Parlamentswahlen in Israel Anfang April erreichten Vereinbarungen, hiess es weiter. «Sie wollten Ruhe vor den Wahlen haben und kriegten, was sie wollten.» Man könne jedoch keine Ruhe erwarten, «wenn sich an unserer Lage nichts verändert». Siad al-Nakhalah, Generalsekretär des Islamischen Dschihad kündigte einen Angriff auf Israels «grösste Städte» an. Mit aller Macht und «ohne rote Linien» wollen die Islamisten auf «jeden Versuch, unserem Volk zu schaden», reagieren.

Seit gut einem Jahr kommt es immer wieder zu Raketen- und Luftangriffen, die wie nach vorgegebenem Muster stets gleich ablaufen. Mal ist eine misslungene Militäroperation, mal sind Schüsse auf israelische Soldaten Auslöser für die Angriffe mit Kassam-Raketen, Mörsergranaten und umgekehrt Bombardierungen der Luftwaffe. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wird von Koalitionspartnern und der Opposition dafür kritisiert, dass er das Problem falsch handhabt, obschon keiner eine Lösung weiss. Die EU zeigt sich schockiert, der UN-Gesandte Nikolaj Mladenow und der ägyptische Geheimdienst vermitteln, man wird sich irgendwie einig, denn keine Seite will einen weiteren Krieg – bis zum nächsten Schlagabtausch.

Zu den von Ägypten vermittelten Abmachungen gehörten Erleichterungen für die Warenlieferung, die Erweiterung der Fischereizone auf 27 Kilometer sowie Israels Zusage, Hilfszahlungen aus Katar in Höhe von 30 Millionen Dollar monatlich zuzulassen. Der Transfer der Gelder verzögerte sich. Die Hamas, die die zwei Millionen Menschen im Gazastreifen mit harter Hand kontrolliert, gerät in zunehmende Zahlungsnot, seit die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) unter der Führung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Gehälter einiger zigtausend Fatah-naher Beamter sowie Gelder für öffentliche Institutionen reduzierte.

Grenzübergang geschlossen

Israels Armee hielt am Sonntag den Grenzübergang für den Personenverkehr Erez infolge der Unruhen geschlossen und stoppte mit Ausnahme von Treibstoff auch die Warenlieferungen in den Gazastreifen. In Ägypten verhandeln Vertreter der Hamas über die Konditionen eines Waffenstillstands. Die türkische Regierung machte Israel für den Schlagabtausch verantwortlich und kritisierte die «nicht differenzierten Angriffe Israels im Gazastreifen», die zum Tod und Verletzungen «vieler unschuldiger Menschen führten». Umgekehrt solidarisierte sich die Regierung in Washington mit Israel und betonte das «Recht zur Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken» aus dem Gazastreifen. Die EU forderte eine dringende «Deeskalation dieser gefährlichen Situation».

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