TOKIO: Liebe statt Prinzessin

Morgen will sich Japans Prinzessin Mako mit ihrem Freund verloben. Da er ein normaler Bürgerlicher ist, muss sie ihren Adelstitel wohl abgeben.

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Jetzt ist es hofamtlich. Prinzessin Mako, die erste Enkelin des japanischen Kaisers, wird sich morgen Samstag verloben. Das Kaiserhaus hat dieses mit Spannung erwartete Datum für den 8. Juli angesetzt, weil der hochherrschaftlich erwählte Bräutigam unter der Woche arbeiten muss, wie das imperiale Hofamt den Termin offiziell begründete. Für Japans Medien folgt damit die Fortsetzung der Sommerstory, die mit ersten Gerüchten und Spekulationen im Mai begann und seither die Gemüter im Land bewegt.

Die Geschichte klingt wie ein Märchen. Eine Prinzessin verliebt sich in einen jungen Mann, der mit dem reizenden Titel «Prinz des Meeres» als surfendes Werbemodell Furore machte. Da der einstige Poster-Boy aber kein Prinz, sondern ein ganz normaler Bürgerlicher ist, müsste die Prinzessin für eine Hochzeit ihr Leben als Royal aufgeben. So will es die Gesetzeslage. Gespannt fragen sich die Fans der jungen Frau: Gibt es kein Happy End als Prinzessin und Braut?

Prinzessin Mako ist die älteste Tochter des Kaisersohns Akishino, der Auserwählte ihr ehemaliger Kommilitone Kei Komuro, der heute in einer Anwaltskanzlei in Yokohama arbeitet. Die beiden 25-Jährigen hatten sich 2012 auf einer Party kennen gelernt. Ein Jahr später soll der junge Mann seiner Angebeteten einen Heiratsantrag gemacht haben. Doch die Braut zögerte lange, denn sie gewinnt nicht nur einen Ehemann, sie hat auch viel zu verlieren. Für sie ist diese Entscheidung eine Schicksalsfrage. Der frühere Werbeprinz hat zwar das Herz eines Mitglieds der kaiserlichen Familie erobert. Die Prinzessin aber muss für diese Liebe ihren Titel und alle Privilegien opfern. Anders als an europäischen Höfen, an denen in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten starre Traditionen aufgebrochen wurden und serienweise Bürgerliche einzogen, herrschen in Japan noch strikte archaische Regeln. Frauen wird nach dem aktuellen Kaisergesetz nicht nur der Thron verwehrt.

Heiraten sie keine realen Prinzen, sind sie draussen, müssen die Tenno-Familie verlassen, ihren Titel und das Leben am Hof aufgeben. Zuletzt ereilte dieses Schicksal die einzige Tochter des noch amtierenden Kaisers Akihito. Ex-Prinzessin Nori heiratete 2005 einen Tokioter ­Stadtbeamten und lebt seither als Sayako Kuroda zurückgezogen und ohne royalen Glanz in relativ einfachen Verhältnissen.

Das ist zwar die aktuelle «Vorschrift», aber für die Monar­chie auch belastend, denn die Kaisersippe braucht dringend Nachwuchs. Scheidet nun Mako auch noch aus, zählt die Sippe noch 18 Mitglieder. Neben Kronprinz Naruhito stehen nur noch dessen jüngerer Bruder, Prinz Akishino und wiederum dessen kleiner Sohn Hisahito als Thronfolger zur Verfügung. Schon jetzt wird allen Ernstes darüber debattiert, ob der heute Zehnjährige wohl in der Lage sein wird, ausreichend männliche Erben zur «Stabilisierung» der Thronfolge zu produzieren.

Kaiserfreundliche Realisten und Japans Opposition verlangen deshalb Reformen. Doch diese Ideen haben starke Feinde. Der prominenteste Gegner ist Premierminister Shinzo Abe. Der Regierungschef beruft sich auf Traditionen, die bewahrt werden müssten. Nach jüngsten Umfragen stimmen aber fast 70 Prozent einer weiblichen Thronfolge zu. Vielleicht stimmt dieses Meinungsbild Premier Abe noch um, gibt es bis zur Hochzeit von Prinzessin Mako und dem Kaiserwechsel 2018 ja doch noch ein Happy End.

 

Angela Köhler, Tokio