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Tödlicher Anschlag auf Politiker in Danzig: Polen steht unter Schock

Ein Mann sticht während einer Spendenveranstaltung mit einem Messer auf Pawel Adamowicz. Der Bürgermeister erliegt seinen Verletzungen. Die Tat geschieht in einem politisch aufgeheizten Klima.
Paul Flückiger, Warschau
In mehreren polnischen Städten kam es am Montag wegen des Attentats zu Solidaritätskundgebungen. Bild: Jakub Kaczmarczyk/EPA (Posen, 14. Januar 2019)

In mehreren polnischen Städten kam es am Montag wegen des Attentats zu Solidaritätskundgebungen. Bild: Jakub Kaczmarczyk/EPA (Posen, 14. Januar 2019)

Polen befindet sich im Schockzustand. Grund ist ein Mordanschlag vom Sonntagabend gegen Pawel Adamowicz, den landesweit bekannten Bürgermeister von Danzig. Während 20 Jahren lenkte er die Geschicke der Stadt mit rund einer halben Million Einwohner, zuerst 15 Jahre lang für die liberale Bürgerplattform (PO), dann als liberaler Unabhängiger. Am Montagmittag erlag Adamowicz seinen Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauch nach Notoperation und stundenlangem Kampf. Während einer öffentlichen Spendenaktion drängte sich der Täter auf die Freilichtbühne vor und stach mehrmals auf Adamowicz ein. Hunderte Personen wurden Zeugen des tödlichen Anschlags. Lokale Fernsehstationen berichteten live über die Wohltätigkeitsveranstaltung.

Wegen Banküberfällen in Haft

Der Täter, ein 27-jähriger Mann aus Danzig, handelte offenbar aus Rache. «Ich sass im Gefängnis, die PO ist daran schuld», schrie er. Er liess sich ohne Widerstand festnehmen. Gemäss den polnischen Behörden verbrachte er wegen mehrerer Banküberfälle fünfeinhalb Jahre in Haft. Die Ermittler kündigten eine psychologische Untersuchung an. Sie wollen abklären, ob der Mann an einer psychischen Krankheit leidet.

Für die regierende PiS-Partei von Jaroslaw Kaczynski war der liberale und weltoffene Adamowicz einer der meistgehassten Politiker. Die nationalkonservative PiS stempelte ihn regelmässig zu einer Art Staatsfeind ab. Regierungstreue Nachrichtenportale und auch das gleichgeschaltete Staatsfernsehen hatten während Monaten Giftpfeile gefeuert auf Adamowicz, der Danzig zur «freien Stadt» ohne rechtsnationale Hetzte gegen Ausländer, Liberale und Freigeister erklärt hatte.

Gemeinsamer Aufruf zur Solidarität

Auch in der Auseinandersetzung um das international hochgelobte «Museum des Zweiten Weltkriegs», das für die PiS zu wenig patriotisch ist, legte sich Adamowicz immer wieder mit der Regierung an. Nach dem tragischen Vorfall vom Sonntagabend schlugen die bitter verfeindeten politischen Lager aber erstmals seit der Hiobsbotschaft vom Flugzeugabsturz von Smolensk im April 2010 versöhnliche Töne an. Sie rauften sich teils zu Solidaritätsaufrufen zusammen. Auch alle PiS-treuen Medien riefen auf zur Besinnung, zur Beendigung des Bruderkriegs zwischen PiS und PO und zum Gebet für Pawel Adamowicz.

Pawel Adamowicz ist am Sonntag einem Attentat zum Opfer gefallen. Archivbild: EPA/Adam Warzawa

Pawel Adamowicz ist am Sonntag einem Attentat zum Opfer gefallen. Archivbild: EPA/Adam Warzawa

Adamowicz wollte am Sonntagabend mit seinem öffentlichen Auftritt in der Danziger Innenstadt eine Spendenorganisation unterstützen, die von der Kaczynski-Regierung seit der Machtübernahme von 2015 nicht weniger hart angegriffen wird als der Bürgermeister selbst.

Polens grösste Spenden-Konzertaktion Wosp gilt den Rechtsnationalisten als suspekt, weil deren an sich völlig unpolitischer Gründer, der einstige Musikpromotor Jerzy Owsiak, offen zu seiner liberalen Weltanschauung steht und sich von der liberalen Opposition immer mehr vereinnahmen liess. So war es klar, dass Pawel Adamowicz beim Danziger Wosp-Abschlusskonzert wohl auftreten würde, nicht aber dessen PiS-Herausforderer bei den gerade von Adamowicz haushoch gewonnen Lokalwahlen.

Pawel Adamowicz trat bei den Danziger Bürgermeisterwahlen vom November gegen den Willen der PO an, die mit Lech Walesas jüngstem Sohn Jaroslaw einen eigenen Kandidaten aufstellte. Zur Last gelegt wurden Adamowicz unklare Immobiliengeschäfte in einer bekannten Luxussiedlung in der Danziger Bucht. Der Politiker hinterlässt eine Frau und zwei minderjährige Töchter.

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