Todesstrafe für Macher von Anti-Islam-Video

Trotz Richter-Streik hat ein Gericht in Kairo die ägyptischen Macher eines Anti-Islam-Films aus den USA in Abwesenheit zum Tod verurteilt.

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KAIRO. Die Richter haben ihren Streik aus Protest gegen die Machterweiterung des Präsidenten Mursi ausgeweitet. Nachdem bereits am Wochenende Hunderte Richter und Staatsanwälte ihre Arbeit niederlegten, schlossen sich gestern die zwei höchsten Berufungsgerichte des Landes dem Streik an: das Kassations- sowie das Berufungsgericht in Kairo.

Rücknahme gefordert

In einer Krisensitzung beschlossen die Richter, ihre Tätigkeit erst wieder aufzunehmen, wenn Mursi seine umstrittenen Dekrete vollständig zurücknehme. Damit erhöhen sie den Druck auf die islamistische Regierung, die sich seit Tagen mit Massenprotesten der Opposition im ganzen Land konfrontiert sieht.

«Beleidigung des Islam»

Ein Teil der Richter arbeitet aber weiter: In Kairo verurteilte ein Gericht sieben koptische Christen in Abwesenheit zum Tod. Sie sollen sich an der Produktion und Vertreibung des Schmähvideos «Unschuld der Moslems» beteiligt haben. Ihnen wird Beleidigung des Islam und des Religionsstifters Mohammed zur Last gelegt. Abuna Marcos, ein Bischof der koptischen Kirche in Ägypten, nannte das Urteil «hart», sagte aber, die Kirche lehne jede Form von religiöser Beleidigung ab.

Die Verurteilen, unter ihnen der Macher des Videos, Nakoula Basseley Nakoula, leben alle in den USA. Nakoula ist von einem US-Gericht wegen Verstössen gegen Bewährungsauflagen zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden. Der Film hatte im September zu Krawallen in der moslemischen Welt geführt. (sym)

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