Thaksin-Treue gewinnen

Nach seinem deutlichen Wahlsieg forderte gestern abend der 72-jährige Samak Sundaravej von der «Volksmachtpartei» den Posten des Premierministers.

Willi Germund/Bangkok
Drucken
Teilen
Samak Sundaravej freut sich über den Wahlsieg. (Bild: epa)

Samak Sundaravej freut sich über den Wahlsieg. (Bild: epa)

«Wir haben fast die Hälfte der Stimmen erhalten», erklärte Samak Sundaravej, der Führer der «Volksmachtpartei» (PPP), die von Gefolgsleuten des am 19. September 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra organisiert und finanziert wird. «Der Coup ist tot», sagte der Politveteran gestern abend, «die Leute haben gesprochen. Die Ergebnisse stellen die Antwort der Wähler auf den Militärputsch dar.»

Nach den inoffiziellen Ergebnissen von Sonntagnacht verpasste die PPP mit rund 230 Sitzen im 480-köpfigen Parlament die absolute Mehrheit. Die Demokratische Partei unter Führung des 42jährigen Abhisit Vejjajiva kommt danach auf knapp 170 Sitze. Mehrere kleine Parteien erhielten 10 bis 35 Mandate. «Wir laden alle Parteien ein, mit uns Gespräche über eine Koalition aufzunehmen», sagte Samak, der früher einmal als Gouverneur der thailändischen Hauptstadt Bangkok amtierte, später eine Kochschau im Fernsehen moderierte und nun zum 25. Premierminister des Königreichs gekürt werden will.

Kommt Thaksin zurück?

Wahlsieger Samak machte gestern keinen Hehl daraus, dass er beabsichtigt, die 111 Politiker von Thaksins verbotener früherer Partei «Thais lieben Thai» (TRT) zu rehabilitieren. Die Politiker sind von den Militärs am 30. Mai für fünf Jahre aus der Politik des Landes verbannt worden. Auch der Milliardär Thaksin Shinawatra, der von Hongkong aus die Wahl beobachtete, hofft auf eine baldige Rückkehr, falls die PPP die Macht übernimmt. Thaksin war am 19. September 2006 von den Generälen ohne Blutvergiessen gestürzt worden, als er sich im Ausland befand. Sie warfen ihm Amtsmissbrauch und Korruption vor.

Die Generäle sorgten während der vergangenen Tage mit rund 60 neuen Gesetzen dafür, dass sie auch nach der Übergabe der Macht an eine zivile Regierung die Kontrolle behalten.

Erneute Einmischung?

Dennoch ist offen, ob die Generäle bereit sind, die Rückkehr von Thaksins Gefolgsleuten an die Macht hinzunehmen oder ob sie Unregelmässigkeiten des Urnengangs als Vorwand für eine erneute Einmischung nutzen werden. Wahlbeobachter berichteten, dass verschiedene Parteien in Bangkok bis zu 800 Baht (circa 20 Franken) pro Stimme gezahlt hätten. Ausserdem häuften sich Spekulationen, wonach die von den Militärs ernannte Wahlkommission Kandidaten disqualifizieren würde, falls der Wahlsieg der PPP zu deutlich ausfällt. Laut Wahlbeobachtern kann das neue Parlament nicht zusammentreten und muss Nachwahlen abwarten, wenn die Wahl von 24 Parlamentskandidaten annulliert wird.

Ein hoher Vertreter der PPP ist dennoch optimistisch. «Wir sind die stärkste Partei und deshalb müssen wir als erste aufgefordert werden, eine Regierung zu bilden», erklärte er unserer Zeitung. Traditionellerweise wird der Auftrag zur Regierungsbildung vom Parlamentsältesten erteilt. Den stellt die PPP. «Wir haben eigens zwei Kandidaten aufgestellt, die über 80 Jahre alt sind», sagte der PPP-Politiker.

Aktuelle Nachrichten