Terrorverdacht gegen türkische Journalisten

In der Türkei geraten immer mehr Journalisten unter Terrorverdacht. Gestern sind in verschiedenen Teilen der Türkei 38 Verdächtige festgenommen worden.

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ISTANBUL. Die meisten der Festgenommenen arbeiten für prokurdische Medien. Es wurde aber auch ein Fotograf der französischen Nachrichtenagentur afp inhaftiert. Ihnen wird zur Last gelegt, der als terroristisch eingestuften Organisation «Vereinigung der Gesellschaften Kurdistans» (KCK) anzugehören.

Von Öcalan initiiert

Die KCK wurde auf Geheiss des gefangenen PKK-Führers Abdullah Öcalan gegründet . Ob sie auch einen bewaffneten Arm hat, ist strittig. Nach Angaben der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie (BDP) wurden in zweieinhalb Jahren etwa 8000 Personen als angebliche Mitglieder der KCK festgenommen. Das Innenministerium bestreitet diese Zahl und erklärt, es seien «nur» 605 mutmassliche KCK-Mitglieder in Haft.

Viele der KCK-Verdächtigen sind Bürgermeister, BDP-Funktionäre oder Gewerkschaftsfunktionäre. Andere sind Intellektuelle wie der Verleger Ragip Zarakolu und die Professorin Büsra Ersanli. Der 63jährige Zarakolu, der mehrere kritische Bücher zum Armenier-Problem verlegt hat, ist seit Oktober mit seinem Sohn in Haft. Sie sollen im Auftrag der KCK an einer Bildungseinrichtung der BDP mitgewirkt zu haben.

Hatz auf kritische Medien

Ercan Ipekci, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft TGS, sagte, es sei nicht zu verstehen, warum Terroristen immer wieder unter den Journalisten gesucht würden. Filiz Kocali, stellvertretende Vorsitzende der BDP, warf der regierenden AKP vor, sie wolle kritische Medien zum Schweigen bringen. Bereits vor den gestrigen Festnahmen befanden sich etwa 70 Journalisten im Gefängnis. gegen Tausende sind Verfahren im Gange. Jan Keetman