Terrorkrieg gegen Frauen

In einem UNO-Bericht zu Südsudan werden Soldaten unvorstellbarer Greueltaten angeklagt: Sie sollen Mädchen und Frauen vergewaltigt und dann bei lebendigem Leib verbrannt haben.

Walter Brehm
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Stellung der Machar-Rebellen am Rande eines südsudanesischen Dorfes. (Bild: ap/Matthew Abbott)

Stellung der Machar-Rebellen am Rande eines südsudanesischen Dorfes. (Bild: ap/Matthew Abbott)

Die Barbarei im südsudanesischen Bürgerkrieg kennt keine Grenzen mehr – zumindest wenn der Bericht der UNO-Mission (Unmiss) aus dem jüngsten Staat der Welt der Wahrheit entspricht. Die Blauhelme klagen südsudanesische Regierungssoldaten und eine mit der Armee verbündete Miliz an, im vergangenen April zahlreiche Frauen und Mädchen vergewaltigt und dann verbrannt zu haben.

Ethnisch geschürter Konflikt

Der UNO-Bericht stützt sich auf Aussagen von 115 Überlebenden. In dem Papier heisst es: «Das Ausmass der Grausamkeit zeigt, wie tief der Hass in Südsudan sitzt, der weit über politische Differenzen hinausgeht.»

Auf den ersten Blick wird in Südsudan seit 2013 Krieg zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiir und seines ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar geführt. Der Konflikt hatte sich an der Ankündigung Machars entzündet, in den Präsidentschaftswahlen gegen Kiir anzutreten. Doch hinter dem Streit zwischen zwei Machtpolitikern stand von Beginn weg die Enttäuschung der Volksgruppe der Nuer über jene der Dinka. Nach der Staatsgründung im Juli 2001 hatten die Dinka begonnen, das Land vor allem unter sich aufzuteilen. Salva Kiir ist ein Dinka, Riek Machar ein Nuer.

Lange Vorgeschichte

Der ethnisch unterfütterte Machtkampf zwischen Kiir und Machar aber hat lange vor der Staatsgründung begonnen. Mitten im Unabhängigkeitskrieg des christlichen Südens gegen das islamistische sudanesische Regime in Khartum hatte Riek Machar 1997 die Fronten gewechselt, um fortan im Dienste Khartums gegen die Rebellion des damaligen Kommandanten John Garang im Süden zu kämpfen. Dabei setzte er schon damals auf die ethnische Rivalität zwischen den Nuern und den Dinka. Macher wurde der schlimmsten Massaker an Zivilisten in dieser Zeit beschuldigt. Das hinderte ihn aber nicht daran, 2002 erneut die Fronten zu wechseln, nachdem ihm der Rebellenführer Garang im künftigen Staat Südsudan einen Regierungsposten versprochen hatte. Kiir wurde der Nachfolger Garangs, nachdem dieser 2005 bei einem Helikopterabsturz ums Leben gekommen war. Als solcher wurde Kiir später Präsident, obwohl er weder das Charisma noch die politische Intelligenz Garangs hatte.

Es geht um Öl und viel Geld

Zum Staatschef gekürt, wurde schnell erkennbar, dass Kiir Demokratie mit Kadavergehorsam verwechselte, den er auch von seinem Vizepräsidenten Machar einforderte. Verdienten Kadern der ehemaligen Befreiungsbewegung SPLA aus der Ethnie der Dinka wurden von Salva Kiir hohe Posten und vor allem lukrative Lizenzen im neuen Ölstaat Südsudan zugehalten. Riek Machar sah sich und seine Anhänger unter den Nuern geprellt. Im Sommer 2013 wollte er die Machtfrage mit einem Putsch lösen – und scheiterte. Seitdem hetzen Kiir und Machar Dinka und Nuer in immer blutigere Massaker. Doch eigentlich geht es beiden Politikern um Öl und um viel Geld.

Kriegswaffe Vergewaltigung

Die jüngste Greueltat, die der UNO-Bericht anklagt, soll in Leer stattgefunden haben, der Heimatstadt Machars, welche Kiirs Regierungstruppen inzwischen weitgehend zerstört haben. Doch Machars Rebellen stehen in puncto Grausamkeit der Armee in nichts nach. In der Provinz Blue Nile haben sie ihrerseits ganze von Dinka bewohnte Dörfer und Städte niedergebrannt, die Zivilbevölkerung massakriert – und ebenfalls hemmungslos Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen als Terrorwaffe im Bürgerkrieg eingesetzt. Beide Seiten rekrutieren zudem immer wieder Kindersoldaten.

Zehn Millionen Flüchtlinge

Zehn Millionen Menschen sind in diesem Machtkampf bisher zu Flüchtlingen geworden. Die Zahl der Todesopfer ist unbekannt, weil die Kriegsparteien die Kontrolle ihrer Gebiete verweigern. Selbst die Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» hat in umkämpften Gebieten wie der Provinz Unity ihre Tätigkeit eingestellt und ihr Personal abgezogen – «es war einfach zu gefährlich».

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