Terroranschlag in der Wiener Innenstadt: Ein Angreifer soll auf der Flucht sein – unser Korrespondent über die Situation am Montagabend

In der Wiener Innenstadt sind am Montagabend Schüsse gefallen. Anwohner wurden aufgefordert, die Wohnungen nicht zu verlassen.

Stefan Schocher aus Wien
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Christian Bruna / EPA

Die Seitenstettengasse, das ist ein kleiner gepflasterter Abstieg aus dem Zentrum hinunter zum Kai an der Donau. Die Synagoge, wenige Schritte weiter die älteste Kirche der Stadt, Lokale, Bars, Läden. Auch am Montag hatten sich dort die Lokale gefüllt – vor dem Lockdown, der ab Mitternacht gilt. Doch dann: Schüsse.

Augenzeugen berichteten unterschiedlichen Angaben zufolge von einer oder mehreren Personen, die in der Gasse vor der Synagoge aus automatischen Waffen das Feuer eröffnet hätten. Viele Zeugen dachten zunächst, es seien Feuerwerkskörper, die hier explodiert seien und ergriffen erst spät die Flucht.

Laut ersten Berichten soll zumindest eine Person getötet worden sein. Ob es sich um Passanten oder Angreifer handelte, war zunächst unklar. Später war von mehreren Opfern die Rede. Auch ein Polizeibeamter soll angeschossen und schwer verletzt worden sein.

Videos zeigen wilde Schusswechsel

Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde hieß es, in der Synagoge sowie in den in dem Gebäudekomplex untergebrachten Büros der Kultusgemeinde habe sich zum Tatzeitpunkt niemand aufgehalten.

Auf Videos von vor Ort waren wilde Schusswechsel mit automatischen Waffen zu hören. Sicherheitskräfte waren da bereits vor Ort. Anscheinend war zumindest ein Angreifer in Richtung Schwedenplatz wenige Hundert Meter von der Synagoge in Richtung Fluss gelaufen. Dort befindet sich eine U-Bahn-Station, an der sich auch die Polizeikräfte sammelten.

Laut Innenministerium wurde zunächst von einem Terroranschlag oder einem Amoklauf ausgegangen. Einen Anschlag wollte man zunächst aber nicht bestätigen. Aus dem Innenministerium hieß es zunächst nur, man sollte die Innenstadt meiden und die Wohnungen nicht verlassen, da die Lage nach wie vor unklar war. Innenminister Karl Nehammer: „Der Angriff läuft noch, bleiben Sie zu Hause.“

Ein Angreifer soll auf der Flucht sein

Die Rede war vor allem auch von einem Angreifer, der im Stadtgebiet auf der Flucht sei. Die Polizei rief dazu auf, keine Videos laufender Aktionen in soziale Medien zu stellen. Das würde die Operation gefährden. Nicht zuletzt dürften die Sicherheitskräfte zumindest zu Beginn des Einsatzes massive Probleme mit schaulustigen Passanten gehabt haben.

Die Polizei verlegte starke Polizeieinheiten in das Stadtzentrum. Auch ruhende Beamte wurden zur Mobilisierung aufgefordert. Das Rote Kreuz verlegte zehn Krankenwagen aus dem Umland nach Wien.

Dabei war der reguläre Streifendienst bereits unter Tags massiv verstärkt worden. Der Grund: Der ab Mitternacht geltende Lockdown und die damit in Kraft tretende Ausgangssperre. Nicht zuletzt war aber auch eine Serie an Angriffen Grund für das erhöhte Sicherheitsaufgebot.

Erst am Donnerstag der Vorwoche hatten rund 50 Jugendliche eine Kirche in einem Randbezirk Wiens unter Allahu-akbar-Rufen gestürmt. Und erst am Samstag hatte ein Mann im Stephansdom im Stadtzentrum islamistischen Parolen skandiert.