Terror könnte dem Kalifat viel Unterstützung kosten

ARBIL. Nach James Foley wurde nun auch Steven Sotloff vom «Islamischen Staat» (IS) ermordet. Der 31jährige Journalist ist nicht enthauptet worden, so wie dies saudische Henker mit einem gezielten Hieb nach dem Freitagsgebet auf dem Marktplatz von Riad tun.

Michael Wrase
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Steven Sotloff Ermordeter US-Journalist (Bild: Facebook)

Steven Sotloff Ermordeter US-Journalist (Bild: Facebook)

ARBIL. Nach James Foley wurde nun auch Steven Sotloff vom «Islamischen Staat» (IS) ermordet. Der 31jährige Journalist ist nicht enthauptet worden, so wie dies saudische Henker mit einem gezielten Hieb nach dem Freitagsgebet auf dem Marktplatz von Riad tun. Steven, dessen jüdischer Glaube die Medien bis zu seinem Tod aus naheliegenden Gründen verschwiegen hatten, wurde von einem Jihadisten vor laufender Kamera bestialisch abgeschlachtet. Die Hinrichtung sei Vergeltung für amerikanische Luftangriffe auf nordirakische Städte.

Weitere Horrorinszenierungen wurden in Aussicht gestellt. Das nächste Opfer könnte ein in Syrien entführter britischer Journalist sein. Auch sein Tod dürfte weltweites Entsetzen und Grauen auslösen. Die in den letzten Tagen vom IS vor laufenden Kameras niedergemetzelten libanesischen und kurdischen Soldaten wurden in den westlichen Medien dagegen kaum erwähnt.

Welchen Vorteil erhofft sich IS?

Mit ihren furchtbaren Mordtaten wollen die Jihadisten erschrecken und abschrecken. Der barbarische Umgang mit dem Schlachtermesser wird in den Internetforen der Terroristen als ein Zeichen der Stärke und Unbesiegbarkeit gefeiert. «In ihrem Blutrausch überspielen die Jihadisten jedoch, dass sie von den wirkungsvollen Bombardements der amerikanischen Luftwaffe hart getroffen werden», glaubt Frank Gardner, Sicherheitsexperte der BBC.

«Mit ihren Horrorvideos betteln sie den amerikanischen Präsidenten geradezu um weitere Bombenangriffe an», schreibt Dexter Filkins, der ehemalige Kriegsberichterstatter der «New York Times», und fragt: «Welche Vorteile können sich diese Leute von ihren Aktionen erhoffen?»

Wachsende Kritik von Moslems

Selbst im Mittleren Osten stossen die jihadistischen Terroristen mit ihren Mordorgien auf Ablehnung und Entsetzen. Mit dem wahren Islam, betonen inzwischen fast alle Moslems, habe der «Islamische Staat» nichts zu tun. Das heisst aber noch nicht, dass sich grosse Mehrheiten gegen hemmungslos terrorisierende Minderheiten auch durchsetzen können.

Terror als Mittel zur Machtausübung ist keine Spezialität der Jihadisten. Zum Machterhalt ist Terror in den meisten Staaten des Nahen Ostens seit Jahrzehnten an der Tagesordnung. Das weiss auch der «Islamische Staat», dessen Führungskader in Syrien und im Irak aufgewachsen sind: in Diktaturen, die sich durch einen mühelosen Rückgriff auf Gewalt ausgezeichnet haben.

Bin Laden – «ein Abweichler»

Auch Omar al-Baghdadi, der selbsternannte Kalif des «Islamischen Staates», ist offenbar davon überzeugt, dass Terror die beste Antwort auf das militärische Vorgehen der Amerikaner ist. Er könnte jedoch auf dem Holzweg sein, schreibt auch Terrence McCoy in einem Beitrag für die «Washington Post». Um seine These zu belegen, zitiert der amerikanische Politologe Osama bin Laden. Selbst der Gründer des Terrornetzwerkes Al Qaida hatte kurz vor seinem Tod die «wahllose Brutalität unserer Brüder» kritisiert und seine Anhänger aufgefordert, «aus ihren Fehlern zu lernen». Mit blankem Terror «werden wir zwar einige Schlachten gewinnen, den Jihad am Ende jedoch verlieren».

Doch für Omar al-Baghdadi ist Bin Laden «ein Abweichler». Nur das «Kalifat», behauptet er, könne die islamische Umma vereinigen. Mit den Mitteln, die er dafür einsetzt, könnte er sich aber auch sein Grab schaufeln.

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