Terror im «sicheren Drittland»

Zur Sache

Walter Brehm
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Afghanistan ist gestern in unser Gedächtnis zurückgebombt worden. Mindestens 90 Tote und 460 Verletzte lassen kein Wegschauen zu – auch wenn der Terror dieses Mal weit weg von Europa gewütet hat. Afghanistan ist Kriegsgebiet nicht nur in der Hauptstadt Kabul: Viele Regionen sind umkämpft oder wieder in der Hand der islamistischen Taliban. In 31 von 34 Provinzen des Landes wird immer wieder gekämpft. Allein letztes Jahr mussten über 600000 Menschen ihre Häuser verlassen. Ausländische Kampftruppen sind nicht aus Afghanistan abgezogen worden, weil sie das Land befriedet haben, sondern weil Europa und die USA kriegsmüde waren. Und längst auch der Flüchtlinge müde sind.

Die Zahl der kriegsbedingt intern vertriebenen Menschen in Afghanistan beträgt jetzt mehr als zwei Millionen. Ihre Lebensbedingungen sind meist katastrophal. Auch Flüchtlinge, die aus dem Ausland zurückkommen, freiwillig oder weil sie dort abgeschoben wurden, stehen vor dem Nichts. In Europa meist Wirtschaftsflüchtlinge geschimpft, stehen sie jetzt erst recht ohne wirtschaftliche Perspektive da.

Warum aber schieben europäische Staaten und allen voran Deutschland afghanische Flüchtlinge in ihre angeblich sichere Heimat zurück? Auch das hat wirtschaftliche Gründe: Es ist kein Geheimnis, dass auch die EU finanzielle Hilfe an Kabul an die Rücknahme von Flüchtlingen knüpft. Es stimmt, es sind Unsummen an westlichen Hilfsgeldern nach Afghanistan geflossen – aber vor allem in die Taschen korrupter Amtsträger, der Ansprechpartner der Europäer, wenn es darum geht, das Flüchtlingsproblem «zu lösen». Seite 3