Terror ersetzt Guerillakrieg

In Mali spitzt sich die Lage zu. Angriffe auf UNO-Soldaten und Ausländer schüren Angst vor einer neuen Gewaltstrategie islamistischer Extremisten in dem westafrikanischen Land.

Walter Brehm
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Malische Soldaten, die ausserhalb der Stadt Sévaré Wache gegen Jihadisten halten. (Bild: ap/Jerome Delay)

Malische Soldaten, die ausserhalb der Stadt Sévaré Wache gegen Jihadisten halten. (Bild: ap/Jerome Delay)

Die Stadt Sévaré in Zentral-Mali war am Wochenende Schauplatz der wohl blutigsten terroristischen Angriffe im Land seit Monaten. Die Ziele der Angreifer: die malische Armee, UNO-Soldaten und westliche Ausländer.

Der Ort der Aktion, derer jihadistische Kämpfer verdächtigt werden, war ein symbolischer. Die Stadt mit ihrem strategischen Flughafen, etwa 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako, ist im Januar 2013 Ausgangspunkt der französischen Militärintervention gewesen, mit der Tuareg-Rebellen, malische und internationale Jihadisten aus von ihnen eroberten Gebieten im Norden Malis zurückgedrängt worden waren.

Zurück zu klassischem Terror

Beobachter vermuten, dass die Angriffe in Sévaré auch einen definitiven Strategiewechsel der jihadistischen Bewegungen im Land markieren könnten: Statt wie bisher vor allem auf die Kontrolle von Gebieten im Norden des Landes zu setzen, scheinen sie sich nun auf klassische Terrorangriffe auf Dörfer, Städte und Militäreinrichtungen im ganzen Land zu konzentrieren.

Am Sonntag, nach der Sévaré-Attacke mit zwölf ausländischen und malischen Todesopfern, wurden mindestens zehn weitere Menschen bei einem Anschlag in dem Ort Gaberi im Nordosten des Landes getötet. Einige Tage zuvor waren es ebenfalls im Norden des Landes bei einem Angriff auf ein Militärcamp mehrere malische Soldaten. Und vor zwei Wochen hatte es Meldungen über eine blutige Auseinandersetzung zwischen der Armee und Rebellen an der Grenze zur Elfenbeinküste im Süden Malis gegeben.

Segen vom Prediger Koufa

Während es sich bei Anschlägen im Norden Malis um traurige Routine handelt, die sich trotz des Eingreifens der französischen Armee etabliert hat, sind Attacken im Zentrum und im Süden des Landes bisher noch ungewöhnlich.

Wer den Angriff in Sévaré ausgeführt hatte, war bis gestern unklar. Inzwischen hat sich ein Jihad-Kommandant und Vertrauter eines radikalen malischen Predigers dazu bekannt. «Die Hand Gottes hat die Mujaheddin im Einsatz gegen die Feinde des Islams in Sévaré geführt», sagte Souleyman Mohamed Kennen der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Der Prediger Sheikh Amadou Koufa habe seinen Segen für die Attacke gegeben.

Koufa soll vor einigen Jahren für den aus Algerien stammenden Jihadisten-Führer Mokhtar Belmokhtar gepredigt haben, der sich später mit seinen Kämpfern von der «Al Qaida im islamischen Maghreb» (aqmi) abgespalten hatte.

Neue Jihad-Bewegung

Manche Quellen in Mali gehen davon aus. dass aus diesem Umfeld heraus eine neue jihadistische Bewegung «Macina Befreiungsfront» (FML) entstanden ist. Unter deren Kürzel FML werden seit einigen Monaten vor allem arbeitslose Jugendliche aus der zweitgrössten malischen Volksgruppe der Peul für den Jihad rekrutiert.

Diese FML soll wiederum mit der jihadistischen Tuareg-Gruppe Ansar Dine zusammenarbeiten.

Böse Kritik der Opposition

Die Zunahme der Gewalttaten aus dem in Mali kaum durchschaubaren Netz jihadistischer Gruppen, die sich neu gründen, sich auflösen oder miteinander verbinden, bringt auch die malische Politik in der Hauptstadt in Aufruhr. «Dies ist also der Moment, den der Präsident der Republik wählt, um in die Ferien zu fahren, angeblich nach Europa und Südamerika», kritisierte am Wochenende die Oppositionspartei Parena (Partei für nationale Wiedergeburt) in einer Medienmitteilung in Bamako. «Unseren Streitkräften fehlen derweil offensichtlich die Mittel, ihre Aufgabe zu erfüllen», heisst es in dem «Parena»-Statement.

Die Reform der Armee Malis ist Aufgabe der EU-Mission «Eutem-Mali» die derzeit unter dem Kommando der deutschen Bundeswehr steht. Die Truppe umfasst 580 europäische Soldaten, die als Ausbildner arbeiten.