Tatort – «Die Linke»

Der Mann ist der deutschsprachigen Fernsehgemeinde als Sonntagabend-Gast im Wohnzimmer wohl bekannt. Als «Tatort»-Kommissar Bruno Ehrlicher – nomen et omen – war er auf schwer lösbare Kriminalfälle spezialisiert.

Walter Brehm
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Peter Sodann während der Pressekonferenz im Bundestag: Vom Tatort-Kommissar zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Peter Sodann während der Pressekonferenz im Bundestag: Vom Tatort-Kommissar zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Der Mann ist der deutschsprachigen Fernsehgemeinde als Sonntagabend-Gast im Wohnzimmer wohl bekannt. Als «Tatort»-Kommissar Bruno Ehrlicher – nomen et omen – war er auf schwer lösbare Kriminalfälle spezialisiert. Unter seinem bürgerlichen Namen Peter Sodann übernimmt der Ehrlicher-Darsteller nun einen unlösbaren politischen Fall: Er will für Oskar Lafontaines und Gregor Gysis Partei «Die Linke» gegen den Amtsinhaber Horst Köhler (CDU) und die SPD-Kandidatin Gesine Schwan für das Amt des deutschen Bundespräsidenten kandidieren.

Ein «Ossi» ohne Makel

Der 1936 in Meissen geborene Sodann gehört zu jener Riege von ehemaligen DDR-Schauspielern, die auch im Westfernsehen schnell reüssierten. In der DDR hatte er den Ehrentitel «Konterrevolutionär» getragen. Sodann wurde Anfang der 60er-Jahre wegen «staatsfeindlicher Hetze» verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde später auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Insofern scheint er für «Die Linke» ein wahrer Wunschkandidat zu sein. Ein Mann aus dem Osten, dem man mitnichten vorwerfen kann, ein System-Prominenter der DDR-Diktatur gewesen zu sein. Immerhin erhielt der heute 72jährige im vereinten Deutschland zu seinem 65. Geburtstag das deutsche Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

«Ganz dämlich bin ich nicht»

Peter Sodann, der sich selber einen «utopischen Sozialisten» nennt, wird von seinen Protagonisten auch dementsprechend angekündigt. Gregor Gysi, Ex-Kommunist (Ost) und Fraktionschef der Linkspartei, sagt über ihn: «Er ist ein rebellischer Geist – das war er und das ist er geblieben. Als Bundespräsident stünde Sodann für eine gerechte Vereinigung von Ost- und Westdeutschland.» Und Oskar Lafontaine, Ex-Sozialdemokrat (West) und Chef der Linkspartei, erklärt: «Er wäre ein Bundespräsident des Volkes.»

Nur: Der deutsche Bundespräsident wird nicht vom Volke gewählt. Dies obliegt der Bundesversammlung, aus den Abgeordneten beider Parlamentskammern und Delegierten der 16 Bundesländer.

Peter Sodann sagt zu seinen Chancen, im Mai kommenden Jahres von diesem Gremium gewählt zu werden: «Das ist ein weites Feld. Aber ganz dämlich bin ich auch nicht.» Er sieht seine Kandidatur als Teil eines langfristigen Projekts. «Ich werde meine Kraft einsetzen, der Linken zu helfen, ihr Haus zu bauen.» Er baue am Fundament mit, so dass andere später einziehen könnten. «Wenn ein Volk keine Utopien mehr hat, ist es wohl tot.»

«Jetzt ist der Kapitalismus dran»

Seine Utopie umschreibt Peter Sodann so: «Jeder nach seinen Leistungen, jeder nach seinen Fähigkeiten, und dass die Menschen sich verstehen.» Verschmitzt fährt er fort: «Ich bin nach den Demonstrationen gegen die DDR-Diktatur wieder mit einem Plakat auf die Strasse gegangen, auf dem stand zu lesen: <Den Kommunismus haben wir abgeschafft, jetzt ist der Kapitalismus dran.> »

Politisch engagiert war Peter Sodann immer, und Politiker werden wollte er auch schon einmal. Im Juli 2004 hatte er angekündigt, als parteiloser Spitzenkandidat einer offenen Liste der PDS für den Bundestag zu kandidieren. Die Vorgängerin der Linkspartei hatte dann aber das nachsehen. Sodann zog seine Kandidatur wieder zurück, weil ihm der Mitteldeutsche Rundfunk versagt hätte, als Politiker weiter «Tatort»-Kommissar Ehrlicher zu sein.

Theaterleidenschaft lebt

Den Fernseh-Polizeidienst hat Bruno Ehrlicher inzwischen quittiert und sein Darsteller Peter Sodann engagiert sich seit 2005 als Botschafter des Kinderhospizes Mitteldeutschland für todkranke Kinder und deren Familien. Daneben tritt Sodann mit dem ehemaligen CDU-Politiker und Arbeitsminister Norbert Blüm in einem politischen Kabarett auf. «Heimatabend – die Ost-West Varieté Show» heisst das Programm. Damit beweist Sodann, dass seine Theaterleidenschaft noch lebt – nicht nur dann, wenn er sich der Linkspartei für einen medienträchtigen Theatercoup zur Verfügung stellt.

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