Tag der Hoffnung für Zypern

Der neue griechisch-zypriotische Präsident Dimitris Christofias und Mehmet Ali Talat, der Führer der Türkisch-Zyprioten, haben sich gestern auf neue Gespräche zur Wiedervereinigung der seit 34 Jahren geteilten Insel geeinigt.

Michel Wrase/Limassol
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Ein symbolischer Handschlag. Der griechisch-zypriotische Präsident Christofias und sein türkisch-zypriotischer Amtskollege Ali Talat. (Bild: rtr/Andreas Manolis)

Ein symbolischer Handschlag. Der griechisch-zypriotische Präsident Christofias und sein türkisch-zypriotischer Amtskollege Ali Talat. (Bild: rtr/Andreas Manolis)

Als ersten Schritt in der «neuen Ära» beschlossen Dimitris Christofias und Mehmet Ali Talat die Öffnung der Ledra-Street in der Altstadt von Nikosia. Die Stacheldraht-Barrikaden in dieser Strasse sind die markantesten Symbole für die seit 1974 bestehende Teilung Zyperns.

Die zentrale Fussgängerzone war bereits seit 1964, als es zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen zwischen den beiden Volksgruppen kam, gesperrt. Zehn Jahre später, nach der türkischen Invasion, wurde am Ledra-Checkpoint eine hohe Mauer gebaut, welche die Teilung der zypriotischen Hauptstadt endgültig zementierte. Politiker beider Seiten verglichen die Sperranlagen häufig mit der 1961 errichteten Mauer in Berlin.

Wichtiges Symbol

Nach dem Mauerbau wurde der verbarrikadierte Ledra-Checkpoint zu einer «negativen Tourismusattraktion»: Die Griechisch-Zyprioten bauten eine Aussichtsplattform und vermittelten jedem, der es hören wollte, die «Schandtaten der Türken», die durch eine Fotogalerie drastisch dokumentiert wurden.

Es war aber vor allem Christofias engstirniger Amtsvorgänger Papadopoulos, der die «Mauer in den Köpfen» vieler Zyprioten zementierte. Der neue zypriotische Präsident setzte sich dagegen bereits nach seiner Wahl im Februar für die Überwindung der Spaltung ein und bezeichnete die Wiedereröffnung der Ledra-Strasse, zu der die türkische Seite schon vor zwei Jahren bereit war, als «richtungsweisend». Ähnlich sehen dies auch die meisten seiner Landsleute. Sie begrüssen, allerdings ohne übergrosse Euphorie, die symbolisch so wichtige Öffnung der Ledra-Strasse, von der Geschäftsleute auf beiden Seiten profitieren dürften.

Langer Prozess erwartet

Bis zu einer Wiedervereinigung der Insel dürften dagegen noch einige Jahre vergehen. Zyperns kommunistischer Präsident Christofias will erfolgreich sein. «Ein weiteres Scheitern wäre verheerend für die Zukunft unseres Volkes», erklärte er. Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Papadopoulos, der die Inseltürken nur als Minderheit akzeptieren wollte, ist Christofias zu einer Föderation mit zwei Teilrepubliken bereit. Nach dem gestrigen Treffen mit seinem türkisch-zypriotischen Amtskollegen Talat sagte er Reportern, dass man «zypriotischen Kaffee» getrunken habe. Er spielte damit darauf an, dass beide Seiten eine Konfliktlösung suchen sollten, die nicht vom Ausland diktiert werden sollte. Das zypriotische Volk habe das Recht, seine Zukunft selbst zu bestimmen.

Türkische Präsenz

Auf Seiten der Inseltürken pocht man dagegen auf ein Mitbestimmungsrecht der Türkei, deren Armee sie noch immer als notwendige Schutzmacht betrachten. Den von der griechischen Seite geforderten Abzug haben sie bisher kategorisch abgelehnt. Vor diesem Hintergrund ist es bereits ein Erfolg, dass sich die türkischen Truppen aus der Pufferzone am Ledra-Checkpoint zumindest aus dem Blickfeld der griechischen Zyprioten etwa 50 Meter zurückziehen werden.

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