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TAG DER FRAU: In Osteuropa ist der Tag der Frauen bedeutend - trotzdem sind Frauen in Wirtschaft und Politik untervertreten

Vor allem in Osteuropa wird der Frauentag mit Pomp begangen. Doch Frauen bleiben in Wirtschaft und Politik deutlich unterrepräsentiert.
Eva Konzett, Wien
Ausbrüche aus traditionellen Rollenbildern bleiben im heutigen Osteuropa eher Ausnahmen: Automechanikerin aus dem ungarischen Veszprém. (Bild: Bea Kallos/EPA (25. Februar 2016))

Ausbrüche aus traditionellen Rollenbildern bleiben im heutigen Osteuropa eher Ausnahmen: Automechanikerin aus dem ungarischen Veszprém. (Bild: Bea Kallos/EPA (25. Februar 2016))

Eva Konzett, Wien

Wenn Mariana Gheorghe in Kürze ihren Schreibtisch räumen wird, verlässt eine der mächtigsten Frauen in der rumänischen Wirtschaft ihren Arbeitsplatz. Mehr als zehn Jahre hat sie als CEO die Geschicke des rumänischen Erdgas- und Erdölkonzerns Petrom geleitet, sie galt als Grande Dame der rumänischen Wirtschaftselite. «Schwarz», so hat sie die Petrolindustrie einmal in einem Interview genannt. Nicht nur wegen der Erdölprodukte, sondern «weil es per Definition eine männliche Industrie» sei. Was Gheorghe damals nicht erwähnte: Besonders weiblich sind die anderen Wirtschaftszweige in den jungen Mitgliedsländern der EU auch nicht.


Heute feiert die Welt den Frauentag, besonders in den sozialistisch geprägten Ländern Europas wird er mit Pomp begangen. Der Frau wird an diesem Tag der Vorhang geöffnet. Und danach? Die Stellung der Frau im Osten sei, so lautet ein gängiges Narrativ, politisch und ökonomisch vielfach besser als im Westen. Schliesslich hätten die so­zialistischen Regierungen in der Vergangenheit für mehr Chancengleichheit gesorgt und Frauen professionell gefördert sowie die Kinderbetreuung flächendeckend geregelt. Ingenieurinnen kannte man im Osten tatsächlich viele. Doch inwieweit wirken diese Massnahmen bis heute?

Sowjetischer Einfluss nach dem Krieg

Die EU-Kommission hat das Ziel ausgegeben, dass zumindest ein Drittel der europäischen Kinder unter drei Jahren institutionell betreut werden. De facto aber bleiben die meisten bei der Mama zu Hause. Nur in zehn Mitgliedsländern geht dieser Drittel der Kleinkinder in die Krippe oder zu einer Tagesmutter, allen voran in den skandinavischen. Von den jungen EU-Staaten reiht sich nur Slowenien hier ein. Ausgerechnet in Rumänien, Polen und der Slowakei – Länder, die vor 1989 ein gut ausgebautes Netzwerk an staatlichen Kinderbetreuungsstätten hatten – werden 90 Prozent der unter Dreijährigen zu Hause betreut. In Rumänien und Polen spielen auch traditionelle, von der Kirche vorgegebene Rollenbilder mit rein. Dabei hatte der Einfluss der Sowjetunion in der Region nach dem Zweiten Weltkrieg verhindert, dass die ehemaligen – männlich dominierten – Zwischenkriegseliten wieder an die Macht gelangten und den Einfluss der Religion zurückgedrängt. Für Frauen war so in der sich neu konfigurierenden politischen Landschaft Platz: Elf Ministerinnen wurden von 1945 bis 1950 in Bulgarien, Rumänien, dem damaligen Jugoslawien und der damaligen Tschechoslowakei sowie in Estland ernannt. Von den Schalthebeln der Macht blieben die Frauen trotzdem meist entfernt, ab den 1960er-Jahren fielen auch keine Regierungs­ämter mehr für sie ab. Eine Aus­nahme bildet hier Milka Planinc, die in den 1980er-Jahren Regierungschefin Jugoslawiens war.

Auch nach dem Fall der Mauer war in den jungen Demokratien erstmals wenig Raum für weibliche Gestaltung. Die weibliche politische Repräsentanz nahm erst zu, als die Länder sich in Richtung Europa bewegten. Von 1999 bis 2009 zählten die heute jüngeren EU-Mitglieder 157 Frauen in Ministerämtern. So ist es eher die jüngere Vergangenheit und nicht das sozialistische Erbe, das Frauen den Zugang zur Macht zugesteht. Gerade die ­Annäherung an die EU habe den Frauen mehr Raum verschafft, argumentiert die Politikwissenschafterin Maxime Forest von der Universität Sciences Po in Paris im Buch «Women in Executive Power: A Global Overview». Die EU als Anziehungspunkt habe die Frage nach Gleichberechtigung zumindest auf die politische Agenda gebracht. In manchen Fällen habe die «Feminisierung der Politik» als Beweis des Bekenntnisses zu Europa gedient, als Trumpfkarte, die man in Brüssel ausspielen konnte. Und manchmal findet diese schlichtweg nicht statt. Bei den bevor­stehenden Parlamentswahlen in Ungarn stellt die regierende Fidesz-Partei in allen 106 Wahlbezirken jeweils einen Kandidaten – darunter nur sechs weibliche.

Knackpunkt Karriereunterbruch

Ende der 1980er-Jahre waren 80 bis 90 Prozent der Frauen in den sozialistischen Ländern in den Arbeitsmarkt integriert, wenn sie auch kaum in Toppositionen vordringen konnten und mit 20 bis 30 Prozent Differenz viel weniger als Männer verdienten. Weibliche Angestellte in Slowenien, Polen und Rumänien müssen sich darüber heute nicht mehr ärgern. In diesen Ländern verdienen Frauen fast gleich viel wie Männer. Auch die weibliche Teilzeitquote ist ähnlich gering. In der Schweiz verdienen Frauen laut dem Bundesamt für Statistik insgesamt 12,5 Prozent weniger als Männer, bei den Hochquali­fizierten steigt dieser Wert auf knapp 20 Prozent.

Frauen im Westen und im Osten tappen in die Nachwuchsfalle. «Sie werden nicht für das Kinderkriegen bestraft, aber dafür, dass sie ihre Karrieren unterbrechen. Und dass sie danach in vielen Fällen nur noch Teilzeit weiterarbeiten», sagt Sandra Leitner, Ökonomin am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Dazu kommt die sogenannte horizontale und vertikale Segregation am Arbeitsmarkt. Das heisst, dass Frauen eher zu schlechter bezahlten Berufen im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung tendieren und dann schlechtere Aufstiegschancen haben. Diese Gemengelage führt dazu, dass Frauen laut dem Gender-Equality-Index des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen in den jungen EU-Mitgliedsländern ins­gesamt wenig wirtschaftliche Macht auf sich vereinen. In einzelnen Ländern wie Tschechien sogar heute weniger als noch vor zehn Jahren.

Frauen an der Spitze bleiben die Ausnahme

Gerade deshalb erinnert sich Olga Grygier-Siddons gerne an ihren ersten Arbeitstag als Chefin. Wie die Mitarbeiterinnen sie im Lift anlächelten, wie sie besonders stolz durch die Gänge gingen, das «war ein grossartiges Gefühl», sagte die Managerin vergangenes Jahr der «Financial Times». Sie leitet seit 2014 die Osteuropasparte des globalen Unternehmensberaters Pricewaterhouse-Coopers in Warschau. Im Vorstand des Erdgaskonzerns Petrom kennt man Chefinnen bereits. Auf die scheidende Mariana Gheorghe wird mit der BP-Managerin Christina Verchere ebenfalls eine Frau folgen. Diese Frauen an der Spitze bleiben trotzdem die Ausnahme. In Osteuropa. Und in weiten Teilen des Westens auch.

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