Szenen einer «richtigen Ehe»

Am Parteitag der Republikaner in Florida hat Ann Romney für ihren Mann Mitt geworben. Als Präsident werde er Amerika wieder aufrichten. Die Rede wurde kontrovers beurteilt.

Thomas Spang
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Lassen sich feiern: Mitt und Ann Romney nach ihrer Rede am Parteitag der Republikaner. (Bild: ap/Lynne Sladky)

Lassen sich feiern: Mitt und Ann Romney nach ihrer Rede am Parteitag der Republikaner. (Bild: ap/Lynne Sladky)

TAMPA. Die Nervosität steht der Frau im roten Kostüm ins Gesicht geschrieben, als sie unter tosendem Applaus die Bühne des Tampa Bay Centers betritt. Über ihr ein riesiges Schwarzweissfoto ihrer Familie. Ann Romney weiss, dass sie die Rede ihres Lebens halten muss, um den Amerikanern ihren steif und distanziert wirkenden Mann näherbringen zu können. «Ich möchte zu Ihnen über die Liebe sprechen», setzt die Frau an, die seit 43 Jahren an der Seite Mitt Romneys lebt und mit ihm fünf Söhne hat.

Keine Bilderbuch-Ehe

Es dauert eine Weile, bis sie sich vor den 20 000 Zuschauern in der Halle und den Millionen Fernsehzuschauern warmgeredet hat. Wiederholt bringt sie die Worte, die über den Teleprompter laufen, durcheinander. Zuweilen wirkt sie aufgedreht und affektiert. Ein wenig wie Sarah Palin vor vier Jahren. Das beraubt sie etwas der Natürlichkeit, die Ann Romney auszeichnet, und nimmt der gut geschriebenen Rede etwas von ihrer Eleganz.

Trotzdem bringt sie den Parteitag in Schwung – erstmals am Eröffnungstag, der mit Bildern des Hurrikans Isaac konkurrierte. Für eher gedämpfte Stimmung sorgte darüber hinaus der lautstarke Protest der Anhänger des libertären Ron Paul, welcher der offiziellen Nominierung Romneys am Dienstagnachmittag einen bitteren Beigeschmack verlieh.

Ann Romney erzählt den Delegierten, wie sie sich als Mädchen beim Abschlussball in Mitt verliebte. «Er war gross, lachte viel, war nervös», erinnert sie sich an ihre erste Begegnung. «Mädchen mögen es, wenn die Kerle ein wenig eingeschüchtert sind.» Sie erzählt von der ersten gemeinsamen Wohnung in einem Kellerapartment, wo das Bügelbrett als Küchentisch herhalten musste und es Thunfisch aus der Dose gab.

Sichtbar bemüht versucht sie, das Image abzuschütteln, immer schon ein privilegiertes Leben geführt zu haben. «Eine Bilderbuch-Ehe? Keinesfalls. Mitt Romney und ich haben eine richtige Ehe.» Zu der auch Prüfungen wie ihre überwundene Brustkrebserkrankung und das Ringen mit Multipler Sklerose gehörten.

Reden zündeten nicht

Vor diesem Hintergrund wendet sie sich an die Wählerinnen, die sich bisher nicht richtig für Romney erwärmen können. «Sie können Mitt vertrauen.» Er werde Amerika als Präsident wieder aufrichten. «Dieser Mann wird nicht versagen. Dieser Mann wird uns nicht im Stich lassen.»

Am Ende der Rede kam Romney auf die Bühne und nahm zusammen mit seiner Frau ein Bad in der Menge. Während einige Kommentatoren des Lobes voll waren, glauben nur wenige, die Rede habe gereicht, das Blatt für den Kandidaten zu wenden.

Gewiss genügte auch die mit Spannung erwartete Grundsatzrede Chris Christies zum Ende des Eröffnungstages nicht einem solchen Anspruch. Dem Gouverneur von New Jersey war die Aufgabe zugedacht, mit der Politik Obamas abzurechnen und den Blick nach vorn zu werfen.

Rhetorisch gewieft, aber inhaltlich blass, polterte das Schwergewicht in gewohnter Manier. Doch Christie sprach mehr über sich und seine Politik. Obama erwähnte er namentlich ein einziges Mal, Romney eher am Rand.

Romney muss es selbst richten

Sosehr sich die Reden Ann Romneys und Chris Christies ergänzten, so wenig nahmen sie die Last vom Präsidentschaftskandidaten, in seiner Rede am Donnerstag die Amerikaner davon zu überzeugen, dass er den beliebten Barack Obama ablösen soll. Diese Aufgabe kann Mitt Romney nur selber erledigen.

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