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SYRIEN: Türkische Offensive hilft dem IS

Fast gleichzeitig mit der türkischen Offensive im Norden Syriens hat auch der «Islamische Staat» eine Offensive gestartet – mit Erfolg.
Michael Wrase, Limassol

Der sogenannte Islamische Staat hat seine in Syrien gehaltenen «Taschen» in den letzten zwei Wochen miteinander verbinden können. Die Terrormiliz kontrolliert nun wieder einen fast 30 Kilometer langen Streifen am Ostufer des Euphrats. Auch nördlich davon liegende Regionen an der Grenze zum Irak sowie ein riesiges Wüstengebiet bei Palmyra werden vom IS kontrolliert, der seine Konteroffensiven nahezu zeitgleich mit dem Beginn der ­türkischen Operation «Olivenzweig» in Afrin begonnen hatte.

Die im Westen von Syrien gelegene Provinz wird, wie grosse Teile von Ostsyrien, von den syrisch-kurdischen Volksverteidigungsmilizen YPG beherrscht. Um die in Afrin kämpfenden Waffenbrüder zu unterstützen, hatte die mit dem US-Militär verbündete YPG Truppenverbände aus dem Osten abgezogen. Nutzniesser war und ist der IS, der überall dort angriffen haben soll, wo die Einheiten der «Kurden zuvor ausgedünnt worden waren».

Am Mittwoch hatte US-Aussenminister Rex Tillerson die Türkei aufgerufen, den Kampf gegen den IS fortzusetzen und ihre Angriffe auf die Kurdenmiliz im syrischen Afrin einzustellen. Die Operation «Olivenzweig» habe dem Kampf gegen den IS im Osten Syriens geschadet. Ankara müsse sich im Klaren darüber sein, welche verheerenden Auswirkungen seine Militäroffensiven in Syrien hätten.

Dass die Regierung in Ankara ganz andere Akzente setzt, ist seit langem bekannt. Mehr als zwei Jahre lang hatte die Türkei die Aktivitäten des IS auf ihrem Territorium geduldet, weil diese sich auch gegen die syrischen und türkischen Kurden, also gegen den Staatsfeind Nummer eins, richteten. Dschihadisten aus Syrien und anderen islamischen Staaten sind auch an der Operation «Olivenzweig» in Afrin beteiligt. Nach unbestätigten Berichten sollen unter ihnen auch ehemalige Mitglieder des IS sein, was Ankara allerdings bestreitet.

Zerwürfnis mit den USA droht

Trotz amerikanischer Vermittlungsversuche ist eine Änderung der türkischen Grundsatzpositionen nicht zu erwarten. Es sei «skandalös und inakzeptabel», dass die USA im Kampf gegen den IS weiterhin auf ein Bündnis mit der Kurdenmiliz YPG setzten, kritisierte gestern der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu. Die USA begingen einen «grossen Fehler, wenn sie auf eine Terrororganisation setzen, um eine andere Terrororganisation zu bekämpfen».

Dass es den USA ohne die kampfkräftigen syrischen Kurdenmilizen niemals gelungen wäre, das vom IS errichtete Kalifat in Syrien und im Irak zu zerstören, will die türkische Führung nicht erkennen. Sie ist fest entschlossen, ihren Kampf gegen den syrischen Zweig der türkisch-kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die nicht nur in der Türkei als Terrororganisation verboten ist, fortzusetzen. Die Konsequenzen dieses Handelns, nämlich eine sich abzeichnende Wiederauferstehung des IS in Syrien und womöglich auch im Irak, werden ebenso in Kauf genommen wie ein Zerwürfnis mit dem Nato-Partner USA.

Michael Wrase, Limassol

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