Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SYRIEN: Russlands Tote, über die keiner spricht

Die Weltöffentlichkeit prangert die Bombardierung der Rebellenenklave Ost-Ghuta an. Unter Druck ist Russland aber aus einem anderen Grund. Berichte über eine angebliche russische Söldnertruppe in Syrien bringen Moskau in Verlegenheit.
Stefan Scholl, Moskau
Rettungshelfer im bombardierten Douma in der syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta. (Bild: Mohammed Badra/EPA (22. Februar 2018))

Rettungshelfer im bombardierten Douma in der syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta. (Bild: Mohammed Badra/EPA (22. Februar 2018))

Stefan Scholl, Moskau

«Gegen uns haben sie alles eingesetzt, was da war. Wir fuhren in drei Kolonnen, um das Werk zu erobern. In der ersten Kolonne gab es 200 Tote, ich habe selbst mit Mitai geredet. In der zweiten 20, in unserer 75 Tote. Zum Kotzen.» Radio Swoboda veröffentlichte am Wochenende ein ­Audio, in dem ein russischer Überlebender den gescheiterten Angriff auf die Ölraffinerie al-Isba am Nordufer des Euphrats schildert. Man sei verraten worden. «Niemand kam, als sie anfingen, uns aus Hubschraubern platt zu machen. Nacht, Dunkelheit, wir hatten nur zwei lausige schwere Maschinengewehre.»

Die Weltöffentlichkeit prangert die Kämpfe in der Kurdenregion Afrin und die Luftangriffe auf Ost-Ghuta bei Damaskus an. Russland hat in Syrien derweil mit anderen Problemen zu kämpfen. Weiter herrscht Unklarheit, wie viele Russen beim Sturm auf al-Isba am 7. Februar wirklich umgekommen sind. Damals überschritten Hunderte Soldaten den Euphrat, der als Demarkationslinie zwischen den syrischen Einflusszonen Russlands und der USA gilt, und griffen eine Ölbasis an, die von kurdischen Kämpfern gehalten wurde.

Von Helikoptern und Drohnen der USA attackiert

Die Sturmtruppe, die angeblich zum Grossteil aus Söldnern der russischen Privattruppe «Wagner» bestand, wurde von US-Drohnen und -Helikoptern attackiert und aufgerieben. Der ­ehemalige Duma-Abgeordnete Viktor Alknis redet von 334 gefallenen Russen, verschiedene Medien schreiben von bis zu 600. Maria Sacharowa, Sprecherin des Aussenministeriums, gab vergangene Woche die offizielle Parole von fünf Toten aus. Inzwischen spricht das Aussenministerium von Dutzenden Opfern, lässt aber offen, ob es sich um Tote oder Verwundete handelt. Gleichzeitig wird es immer schwerer, Kontakt zu den Überlebenden des Gemetzels aufzunehmen. Wie der Freiwilligenkoordinator Michail Polynkow auf seinem Blog schrieb, wurden den Verletzten in Moskauer Militärkrankenhäusern die Handys abgenommen. Und der Generalstab ordnete an, auf den russischen Militärbasen in Syrien sämtliche Mobilfunk­signale zu unterdrücken, Experten vermuten, auch so wolle man weitere Einzelheiten über die Schlacht geheim halten.

Offensichtlich handelt es sich bei den Toten und Verwundeten meist um «Wagner»-Kämpfer. Eigentlich sind Söldnergruppen in Russland verboten, aber die ­Infanteristen der Truppe «Wagner», oft Veteranen des Donbass-Krieges, scheinen in Syrien schwerste Frontarbeit zu verrichten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters starben dort allein in den ersten neun Monaten des letzten Jahres 131 russische Staatsbürger – die offiziellen Verluste der regulären Armee von bisher 44 Toten nicht mitgerechnet. BBC-Reporter, die die Nummern der in Syrien ausgestellten Totenscheine verglichen, kamen zum Schluss, dass dort allein vergangenen September 54 «Wagner»-Söldner umgekommen waren.

Schon spekulieren liberale Blogger, die russische Militärführung habe den Angriff auf die Ölbasis und den Einsatz der «Wagner»-Kämpfer in Syrien organisiert, um möglichst viele potenziell extremistische Donbass-Krieger zu ­beseitigen. Aber der Moskauer Nahostexperte Alexander Schumilin glaubt, «Wagner» habe in Syrien als klassische Söldnergruppe agiert. «Einerseits setzen die Inhaber ihre Kämpfer durchaus im Interesse syrischer Wirtschaftsgruppen ein, etwa um Ölquellen zu erobern. Die Truppe kann aber auch ganz andere Aufgaben lösen, die ihr Damaskus oder Moskau stellt – ein verdecktes militärisches Instrument.»

Söldnerfirma soll einem Freund Putins gehören

Nach Angaben des Portals «republic.ru» zählt «Wagner» zurzeit mindestens 3602 Mann. Sold, Frontzulagen und Abfindungen sollen in den vergangenen zweieinhalb Jahren über 230 Millionen US-Dollar gekostet haben. Angeblich gehört die Firma dem Unternehmer und Putin-Freund Jewgeni Prigoschin. Der «Wagner»-Kommandeur Dmitri Uktin posierte schon im Kreml mit dem russischen Staatschef – anlässlich eines Empfangs «für die Helden des Vaterlands». Unklar bleibt allerdings, ob auch syrische Ölbarone oder das Moskauer Oberkommando seine Helden ins Feuer der Amerikaner geschickt haben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.