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SYRIEN: Kurden beklagen russischen Verrat

Um die «Operation Olivenzweig» abzuwenden, soll Moskau der kurdischen Miliz YPG die Stationierung russischer und syrischer Regierungstruppen an der Grenze zur Türkei angeboten haben.

Mit ohrenbetäubenden Kriegsmärschen hat eine in osmanische Uniformen gehüllte Militärkapelle dieser Tage türkische Truppen nach Syrien verabschiedet. Im Osmanischen Reich sollte die sogenannte Janitscharenmusik die Truppen des Sultans motivieren; heute ist dafür der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zuständig. Unermüdlich schwört er Armee und Bevölkerung auf die Ziele der «Operation Olivenzweig» ein. Nicht nur das syrische Afrin soll von der «Unterdrückung durch Terroristen» befreit werden. Neue Operationen seien auch um die syrische Stadt Manbidsch sowie östlich des Euphrats möglich.

Dass die in Afrin stationierten syrischen-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in der Bevölkerung durchaus populär sind, mitunter sogar Heldenstatus geniessen, wird von der Türkei bestritten. Die «Verbreitung von Feindpropaganda», heisst es in den gestern herausgegebenen Medienleitlinien der türkischen Regierung, werde hart bestraft. Ausdrücklich erwünscht sind dagegen Erfolgsmeldungen wie die gestrige «Neutralisierung», also Tötung, von mindestens 260 Angehörigen von Terrororganisationen. Eine Bestätigung der Zahlen durch unparteiische Beobachter gibt es bisher nicht. Auch für die «Eliminierung Dutzender syrischer Dschihadisten» durch die YPG fehlen noch Belege.

YPG-Kommandant: Russen haben uns verkauft

Zu den offiziellen Aufgaben der von der Armee angeworbenen syrischen Hilfstruppen gehört auch die Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Doch deren Verbände waren in Afrin niemals präsent. Garant dafür waren – und sind – die YPG-Milizen, deren Sprecher jetzt davor warnen, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, der IS im Schlepptau der türkischen Armee im Norden Syriens wieder Fuss fassen könnte.

Mehr als zwei Jahre lang hatten IS-Terroristen die türkisch-­syrische Grenze gesichert. Erst nachdem die Dschihadisten von der mit US-Luftunterstützung operierenden YPG vertrieben worden waren, hatten die türkischen Streitkräfte im Sommer 2016 erstmals die Grenze mit Syrien überschritten. Der Operation «Schild des Euphrat» folgt nun die «Operation Olivenzweig», für deren Zustandekommen die YPG am Dienstag den «russischen Verrat» verantwortlich machte.

Zwei Jahre lang seien russische Streitkräfte in Afrin stationiert gewesen, zitiert die Nachrichtenagentur Firat News den YPG-Kommandanten Sipan Hemo. Immer wieder habe Moskau betont, dass ohne die Mitwirkung der Kurden keine Lösung in Syrien möglich sei. Es seien klare Vereinbarungen mit den Russen getroffen worden, die allesamt gebrochen wurden. Für Hemo steht daher fest, dass man «von den Russen verkauft» wurde.

Kurden wollen am Bündnis mit den USA festhalten

Russische Diplomaten in Damaskus bestreiten dies. Um die Offensive der Türken abzuwenden, habe Moskau der YPG die Stationierung von russischen und syrischen Regierungstruppen entlang der türkisch-syrischen Grenze vorgeschlagen. Die kurdischen Städte und Ortschaften hätten weiterhin von kurdischen Bürgerwehren kontrolliert werden können. Als Gegenleistung für ihr Entgegenkommen sollen Moskau und Damaskus die Kontrolle über die von der YPG kontrollierten Ölfelder im Nordosten Syriens verlangt haben, was von den Kurden abgelehnt worden sei. Trotz der jüngsten Spannungen wollen diese offenbar am Bündnis mit Washington festhalten.

Im Gegensatz zu Russland, das langfristig die vollständige militärische Rückeroberung von ganz Syrien durch die Assad-­Armee unterstützt, verfolgen die Amerikaner in dem Bürgerkriegsland ganz andere Ziele: Man will ein Wiedererstarken des IS verhindern und gleichzeitig dem wachsenden iranischen Einfluss in Syrien entgegen­treten. Dennoch gestattete auch Washington der Türkei den Einmarsch nach Nordsyrien, ohne die potenziell verheerenden Folgen in Betracht zu ziehen.

Michael Wrase, Limassol

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