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SYRIEN: Assad scheint jedes Mittel recht

Das wiedererstarkte Assad-Regime will den «letzten Bedrohungsherd im Land» ausschalten. In der Schlacht um Ost-Ghuta setzt die syrische Armee Flammenwerfer aus Russland ein.
Michael Wrase, Limassol
Seit drei Tagen wird die Rebellenenklave Ost-Ghuta bei Damaskus bombardiert. (Bild: AFP (21. Februar 2018))

Seit drei Tagen wird die Rebellenenklave Ost-Ghuta bei Damaskus bombardiert. (Bild: AFP (21. Februar 2018))

Michael Wrase, Limassol

Sie haben sich im Tschetschenien-Krieg sowie in der Schlacht um Aleppo vor eineinhalb Jahren «bewährt» und werden nun auch im Kampf um die letzte Rebellenhochburg bei Damaskus eingesetzt: russische Flammenwerfer vom Typ TOS-1A «Solntsepyok», zu Deutsch: «die Glut der Sonne».

Die regierungsnahe Website «Masdar News» bestätigte gestern die «äusserst nützliche Verwendung» des Waffensystems, das «24 Aerosolraketen in weniger als 15 Sekunden» abfeuern könne. Das Ergebnis ist ein riesiger Feuerball, der eine ungeheure Druckwelle auslöst. «Im Flammenbereich», heisst es in einer CIA-Studie, «werden alle Personen ausgelöscht». In der Zone des Feuerballs entkäme man selbst in Bunkern, tiefen Gräbern und Tunnelsystemen nicht der zerstörerischen Wirkung der «TOS», welche eine Fläche von 200 mal 400 Metern abdeckten. Soldaten und «etwaige Zivilisten im Zielgebiet» würden durch die «Sonnenglut» sofort getötet.

Mehr als 300 Todesopfer in nur drei Tagen

Über 300 waren es allein in den letzten drei Tagen, unter ihnen fast 100 Kinder. Dabei hat die Schlacht um die Ost-Ghuta noch gar nicht richtig begonnen. Die «Tiger»-Eliteeinheiten der Assad-Armee stehen in den Aussenbezirken und schiessen das 20 Kleinstädte und Dörfer umfassende Siedlungsgebiet lediglich sturmreif. Neben Artilleriewaffen werden dieses Mal auch Flammenwerfer eingesetzt.

Vom «Guardian» kontaktierte Ärzte in Ost-Ghuta sprechen schon jetzt «vom Massaker des 21. Jahrhunderts». Wie in Aleppo und der Rebellenregion Idlib würden auch bei Damaskus Krankenhäuser und Schulen gezielt bombardiert. Überlebenswichtige Medikamente fehlten. Wegen der seit Monaten anhaltenden Blockade seien die Preise für Grundnahrungsmittel wie Fladenbrot und Reis um das Zwanzigfache gestiegen, berichten Aktivisten, deren Angaben kaum verifiziert werden können.

Empörung im Westen hält sich in Grenzen

Die Ost-Ghuta wird seit 2012 von der extremistischen «Armee des Islam» sowie einer mit Al Kaida verbündeten Gruppierung kontrolliert. Die Oasenregion vor den Toren der syrischen Hauptstadt war ein Jahr später Ziel eines massiven Giftgasangriffs, bei dem 1400 Menschen ums Leben kamen. Für das Massaker macht die syrische Opposition die Regierung verantwortlich, die jegliche Schuld zurückweist. Leiden für die 400 000 Einwohner verur­sachen in Ost-Ghuta auch die Dschihadisten, die sich seit Jahren gegenseitig bekämpfen und dabei auf Zivilisten nur selten Rücksicht nehmen. Nutzniesser der Bruderkämpfe war das Assad-Regime, dessen Sturz bis heute das Ziel der von Saudi-Arabien und den arabischen Golfstaaten unterstützten Rebellen ist.

Grössere Offensiven sind kaum noch möglich. Dennoch will das wiedererstarkte Assad-Regime auch den «letzten Bedrohungsherd im Land ausschalten». Bei der Wahl ihrer Mittel braucht die Armee auch deshalb nicht zimperlich zu sein, weil sich die westliche Empörung über ihr Vorgehen auf das Verbale beschränkt. Militäraktionen muss Damaskus nicht fürchten. Die Ost-Ghuta gehört zum Operationsgebiet der russischen Luftwaffe, die die Rebellenregion seit dem Wochenende im Stundentakt bombardiert. Erst wenn die Aufständischen ­kapitulieren, sollen die infernalischen Angriffe aufhören.

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