SYDNEY: Australien will Anschlag vereitelt haben

Sicherheitskräfte haben offenbar Pläne für einen Terroranschlag auf ein Passagierflugzeug durchkreuzt.

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Bei Razzien in mehreren Stadtteilen von Sydney wurden am Wochenende mindestens vier verdächtige Männer festgenommen. Sondereinheiten der aus­tralischen Polizei und des Geheimdienstes Asio stürmten die Wohnungen von potenziellen islamistischen Terrorverdächtigen. Die Behörden hätten «glaubhafte Informationen» ausländischer Geheimdienste erhalten, wonach in Sydney eine Gruppe «islamistisch inspirierter» Personen einen Anschlag planten, so der Chef der Bundespolizei.

Laut Premierminister Malcolm Turnbull wurden bei den Einsätzen Materialien sichergestellt, die zum Bau eines Sprengsatzes verwendet werden könnten. Die mutmasslichen Täter hätten offenbar geplant, ein Passagierflugzeug mit einem «improvisierten Sprengsatz» während des Fluges zu zerstören, so Colvin während einer Pressekonferenz in Sydney. Australien habe aber «einige der besten, wenn nicht die besten Flugsicherheitsmassnahmen auf der Welt». Bereits in der Nacht auf Samstag waren die Kontrollen an allen Flughäfen des Landes verstärkt worden. Passagiere wurden aufgefordert, weniger Handgepäck mitzunehmen und früher am Flughafen einzutreffen.

Bisher keine Anklagen gegen die Verhafteten

Australische Fernsehstationen zeigten Bilder von Verhafteten, die auf dem Weg zum Polizeifahrzeug erklärten, sie wüssten nicht, weshalb sie festgenommen werden. Bis Sonntagabend war keiner der Verhafteten angeklagt worden. Unter strikten Anti-Terror-Gesetzen ist es der Polizei erlaubt, Bürger ohne Angabe von Gründen und Anklage zwölf Stunden festzuhalten. Danach benötigt die Polizei die Zustimmung eines Spezialrichters. Beobachter meinten, es könne Tage dauern, bis die Verhafteten verhört und entweder angeklagt oder entlassen würden.

Vorwurf eines Ablenkungsmanövers erhoben

Kritiker meinten gestern, die Razzien, die in Anwesenheit von offenbar rechtzeitig alarmierten Journalisten und im Scheinwerferlicht von Fernsehkameras stattfanden, seien möglicherweise ein Ablenkungsmanöver der Regierung. In Internetforen überschlugen sich Spekulationen, die Aktion sei von Canberra «orchestriert worden», um von wachsender Kritik abzulenken. So musste ein Minister zurücktreten, nachdem bekanntgeworden war, dass er illegalerweise eine zweite Staatsbürgerschaft hält. Ausserdem wehrt sich die Regierung gegen Vorwürfe der sozialdemokratischen Opposition, sie fördere mit ihrer Politik das wachsende Gefälle zwischen Arm und Reich. Auch befindet sich Premierminister Malcolm Turnbull persönlich unter zunehmendem Druck des ultrarechten Flügels der liberal-konservativen Regierungspartei. Vor wenigen Tagen legte er entgegen der Empfehlung von Experten mehrere sicherheitsrelevante Agenturen und Ministerien zu einem sogenannten Heimat-Ministerium zusammen und bestellte einen ultrakonservativen Minister. (uws)