SÜDKOREA: Ex-Präsidentin vor Gericht

Der Korruptionsprozess gegen die entmachtete Staatschefin Park Geun Hye hat begonnen. Ermittler erhoffen sich Erkenntnisse über das Geflecht von Politik und Wirtschaft im Land.

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Park Geun Hye nach dem gestrigen Prozess. (Bild: Lee Jin-man/AP (Seoul))

Park Geun Hye nach dem gestrigen Prozess. (Bild: Lee Jin-man/AP (Seoul))

Südkoreas entmachtete Präsidentin Park Geun Hye muss sich seit gestern in einem Korruptionsprozess vor Gericht verantworten. Zweieinhalb Monate nach ihrer Amtsenthebung stritt Park vor Gericht alle Vorwürfe gegen sie ab. Diese lauten auf ­Bestechlichkeit, Nötigung, Amtsmissbrauch und Verletzung von Staatsgeheimnissen. Im Falle einer Verurteilung droht Park eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang.

Der im Dezember vom Parlament abgesetzten Ex-Präsidentin wird vorgeworfen, namhafte südkoreanische Unternehmen unter Druck gesetzt zu haben, damit diese hohe Summen an Stiftungen einer Jugendfreundin, Choi Soon Si, spenden. Diese soll ihre langjährigen Beziehungen zur Präsidentin ausgenutzt haben, um insgesamt 77,4 Milliarden Won (rund 65 Millionen Franken) von den Firmen einzutreiben. Dabei soll sich Choi auch persönlich bereichert haben.

Kein Blick für Choi übrig

Nach der Fahrt von der Haftanstalt wurde Park in Handschellen, jedoch ohne Häftlingskleidung zum Gebäude des zentralen Seouler Bezirksgericht eskortiert. Im Gerichtssaal nahm die in dunkelblauem Hosenanzug gekleidete Ex-Präsidentin ohne die Fesseln auf der Anklagebank Platz. An ihrem Revers steckte ein Knopf mit der Häftlingsnummer 503. Parks Anwalt habe zum Auftakt des Prozesses gegen seine Mandantin argumentiert, die ­Anschuldigungen beruhten auf «Schlussfolgerungen und Fantasie, ohne strikte Beweise», berichteten südkoreanische Sender. Ihre Position sei die gleiche wie die ihrer Anwälte, wurde Park zitiert. Im Gerichtssaal in Seoul würdigte Park ihre frühere Vertraute Choi keines Blickes.

Die 60-jährige Choi stritt unter Tränen ab, die Freundschaft zu Park für ihre Zwecke ausgenutzt zu haben. Ihr Anwalt nannte den Prozess «politisch motiviert». Choi hatte nie eine offizielle Funktion in Parks Regierung inne. Sie galt aber als enge Vertraute und eine Art Mentorin der Staatschefin. Die erste Sitzung endete den Berichten zufolge nach etwa drei Stunden, der nächste Gerichtstermin wurde für morgen anberaumt. Der Prozess dürfte mehrere Monate dauern.

Es war der erste öffentliche Auftritt der Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee seit ihrer Verhaftung Ende März. Gegen sie liegen 18 Anklagepunkte vor, die meisten stehen im Zusammenhang mit dem Skandal um ihre langjährige Freundin Choi. Auch steht Park im Verdacht, in der Erstellung einer schwarzen Liste von mehr als 9000 Kulturschaffenden und Künstlern beteiligt zu sein, die der ehemaligen Präsidentin gegenüber kritisch waren.

Konzernvertreter müssen sich verantworten

Vom «Jahrhundertprozess», wie ihn die Anklage nennt, erhoffen sich die Ermittler auch Erkenntnisse über das komplexe Geflecht von Politik und Wirtschaft in Südkorea. Vor Gericht müssen sich auch mehrere Konzernvertreter verantworten, darunter der Samsung-Erbe Lee Jae-Yong. Das Parlament hatte im Dezember ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park eingeleitet. Mit ihrer Absetzung als Staatsoberhaupt am 10. März verlor sie auch ihre Immunität.

Zuvor hatte es monatelang Strassendemonstrationen gegen Park gegeben. Am 9. Mai wurde der linksliberale Politiker Moon Jae In bei einer vorgezogenen Präsidentenwahl zum Nachfolger Parks gewählt. (sda)

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