Weshalb Kapstadt vorerst nicht austrocknen wird

In der Region Westkap hatten viele Experten für dieses Frühjahr einen verheerenden Wassernotstand erwartet. Doch der befürchtete Day Zero ist nun abgesagt worden

Wolfgang Drechsler, Kapstadt
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-Ein Stausee in der Nähe von Kapstadt. Die Region erlebt eine ihrer härtesten Dürrezeiten. (Bild: EPA)

-Ein Stausee in der Nähe von Kapstadt. Die Region erlebt eine ihrer härtesten Dürrezeiten. (Bild: EPA)

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Wie schnell sich das Blatt wenden kann: Wochenlang hatten seit Jahresbeginn Horrormeldungen über den sogenannten «Day Zero» die Berichterstattung über Kapstadt und seine Wasserkrise bestimmt – den Tag, an dem die Wasserversorgung der Vier-Millionen-Stadt zusammenbrechen und Kapstadt als erste Metropole weltweit sprichwörtlich austrocknen würde. Von einem unaufhaltsamen Kollaps der Stadt war die Rede, von Chaos und Anarchie im Kampf der Menschen um das Wasser. Soldaten würden, so hiess es, jede der rund 200 öffentlichen Wasserausgabestellen schützen, an denen sich die Kapstädter ihre Wasserration von dann nur noch 25 Liter am Tag abholen sollten.

Nun sieht alles ganz anders aus: Nachdem der kritische Tag zunächst von Mitte April über Anfang Juni bis in den späten August gewandert war, verkündete die in Kapstadt tonangebende liberale Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) vor kurzem, dass «Day Zero» für dieses Jahr nun ganz abgesagt worden sei – und das, obwohl bislang noch niemand weiss, wie der für Kapstadt so wichtige Winterregen zwischen Mai und August in diesem Jahr ausfallen wird.

Kampagne zum Wassersparen wirkt

Gewagt ist die Absage aber auch deshalb, weil 2017, nach zwei bereits sehr schwachen Regenjahren, das regenärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen am Kap vor fast 100 Jahren war – eine Abfolge an Dürrejahren, wie sie statistisch eigentlich nur alle 400 Jahre vorkommen dürfte.

War die ganze Aufregung also nur Panikmache, oder ist die Apokalypse womöglich nur verschoben? Sicher ist, dass die Lage zu Jahresbeginn am Kap bitter ernst war – und nicht wenige Experten, wie etwa Kevin Winter von der Universität Kapstadt, den Notfall für fast unausweichlich hielten. Die daraufhin mit viel Elan gestartete Kampagne zum Wassersparen zeigte dann jedoch sofort Wirkung.

Seit Beginn der Dürre im Jahr 2015 hat die südafrikanische Küstenmetropole ihren täglichen Wasserverbrauch um 60 Prozent reduziert – ein Rückgang, der von Experten als «weltweit beispiellos» beschrieben wird. Der Rückgang ist umso bemerkenswerter, als die Kapstädter noch vor drei Jahren im Schnitt täglich 235 Litern Wasser pro Person verbrauchten; der weltweite Durchschnitt liegt bei 160 Litern pro Person am Tag.

Daneben hat die drohende Katastrophe die Stadtverwaltung rechtzeitig dazu bewogen, nicht mehr wie bislang einfach auf den Regen zu warten, sondern die Wasserversorgung über die nächsten fünf Jahre auf eine weit breitere Grundlage zu stellen. Allein in den nächsten beiden Jahren fliessen deshalb rund 250 Millionen Euro in alternative Wasserquellen, wie das Anbohren von Grundwasser, die Entsalzung von Meerwasser und die stärkere Aufbereitung von Abwasser.

Auch hat die für Kapstadt und das Umland so wichtige Landwirtschaft eine zentrale Rolle gespielt: Mit dem Ende der Erntezeit im Februar ging der Verbrauch gerade hier drastisch zurück. Aber nicht nur das: Landwirte aus einer von der Dürre verschonten Region nordöstlich von Kapstadt spendeten mehr als zehn Milliarden Liter Wasser aus ihren prall gefüllten Reservoirs.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Wasserexperte Winter weist darauf hin, dass mit der Entwarnung wieder der alte Schlendrian einsetzen und Anreize zum Wassersparen schwinden könnten, wie der rasche Anstieg des Verbrauchs um fast 10 Prozent just in den Tagen unmittelbar nach der Entwarnung zeigt. Allerdings spielt Kapstadt auch das Wetter in die Karten. Der ungewohnt kühle März hat dafür gesorgt, dass weniger Wasser als erwartet aus den Dämmen verdunstet ist, die bislang für rund 95 Prozent der Kapstädter Wasserversorgung verantwortlich sind.

Neue Quellen mindern das Risiko zusätzlich

Mit der nun endlich in Angriff genommenen Diversifizierung der Wasserquellen dürfte sich vor allem dies ändern. In Kürze wird eine erste grosse Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb gehen. Daneben wird vielerorts erfolgreich nach Grundwasser gebohrt. Dadurch sollen Kapstadt in nur zwei Jahren täglich weitere 300 Millionen Liter pro Tag zusätzlich zur Verfügung stehen – mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Gesamtverbrauchs pro Tag.