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SÜDAFRIKA: Massive Proteste gegen Zuma

Die jüngste Umwälzung in der Regierung treibt die Südafrikaner auf die Strasse. Präsident Jacob Zuma bleibt gelassen.

«Zuma muss fallen!» – eine andere Lösung gibt es laut den Südafrikanern für die derzeitige Wirtschafts- und Regierungskrise nicht. Gestern kam es in allen Grossstädten der Kaprepublik zu Massenprotesten gegen den Staatspräsidenten. In zehn Tagen muss sich Jacob Zuma einem Misstrauensvotum im Parlament stellen. Doch es scheint, als werde der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) den Aufschrei des Volks ignorieren.

Kilometerlange Menschenketten in allen Metropolen des Landes. Lastwagen mit Anti-Zuma-Plakaten, die Autobahnen blockieren. Geschlossene Geschäfte und ein Grossaufgebot der Polizei. «Wir stehen hier vereint als ein Land und ein Volk, um Demokratie zu verlangen», ruft ein junger Demonstrant in Johannesburg. Wie er gingen vor dem Wochenende Zehntausende Menschen auf die Strasse, um den Rücktritt ihres Präsidenten zu fordern. «Herr Zuma, Sie haben die Orientierung verloren. Verschwinden Sie!», forderte ein Plakat in Durban. Ein vierstöckiges Gebäude hüllte sich hier in ­ein Anti-Zuma-Banner. In Kapstadt marschierte die Menge zum Parlament, in Pretoria zu den Union Buildings, Zumas Amtssitz. Eine Gruppe Jugendlicher warnte 23 Jahre nach dem Fall der Apartheid: «Unsere Eltern riskierten ihr Leben nicht, um eine Diktatur zu schützen.»

Bestechung durch indische Unternehmerfamilie?

In Johannesburg trafen die Demonstranten auf ANC-Unterstützer und Veteranen des Freiheitskampfs. In Militäruniformen hatten diese die Parteizentrale durch einen Menschenwall geschützt. Die Polizei schoss mit Gummikugeln auf ANC-Anhänger. Bei Zusammenstössen gab es mehrere Verletzte. Auch in Berlin und New York kündigten Süd­afrikaner Proteste vor ihren Botschaften an. In London will die Diaspora heute auf die Strasse gehen. «Ich bin enttäuscht, was aus dem ANC wurde», sagt der Südafrikaner Dawn Ingle in London. «Alte Anführer wie Nelson Mandela inspirierten uns, die neuen sind eine Schande.»

Die Wut richtet sich gegen Zumas Vetternwirtschaft, welche die jüngste Regierungsumbildung massgeblich beeinflusst haben soll. Letzten Donnerstag hatte Zuma fünf Minister entlassen, darunter Finanzminister Pravin Gordhan und seinen Stellvertreter Mcebisi Jonas. Beide galten als unkorrumpierbar und als Stabilisierungsfaktoren in der Regierung. Zwanzig weitere Posten wurden neu besetzt.

Aktuell steht es um den 2008 gewählten Zuma nach etlichen Korruptionsskandalen so schlecht wie nie zuvor: Gewerkschaften, Kirchen, Konzerne und Bürgeraktivisten fordern jetzt seinen Rücktritt. Hinter der Neubesetzung seines Kabinetts, die Zuma ohne Abstimmung mit dem ANC entschied, wittern Kritiker Einfluss von aussen. Letztes Jahr sorgte ein Untersuchungsbericht der früheren Ombudsfrau Thuli Madonsela für Schlagzeilen: Demnach soll eine millionenschwere Unternehmerfamilie aus Indien versucht haben, mehrere Ministerposten in Südafrika durch Bestechungsgeld neu zu besetzen. Zuma habe den drei Gupta-Brüdern als Marionette gedient.

Politologen gehen jedoch keineswegs davon aus, dass das geplante Misstrauensvotum am 18. April Zumas politisches Ende einläuten wird. Denn der ANC hält mit 249 von 400 Stimmen klar die Mehrheit im Parlament.

Markus Schönherr, Kapstadt

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