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SÜDAFRIKA: Das giftige Vermächtnis des Jacob Zuma

Wie erleichtert Südafrika über den Abgang des korrupten Ex-Präsidenten Jacob Zuma ist, zeigt sich an der Aufholjagd der nationalen Währung Rand. Doch die Jahre der Misswirtschaft werden das Land noch lange beschäftigen.
Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Als begnadeter Redner wird Jacob Zuma sicherlich nicht in die Geschichte eingehen. Die Ansprachen des am späten Mittwoch nur unter grossem Druck abgetretenen südafrikanischen Staatschefs sind hölzern, langatmig und voller Gemeinplätze. Seine Rücktrittsrede war ein Musterbeispiel dafür: Über 30 Minuten redete er gewunden und wirr daher, bis er im letzten Satz schliesslich doch noch seinen von so vielen sehnlich erwarteten Rücktritt verkündete – knapp zwei Stunden vor Ablauf eines Ultimatums, das sein regierender ANC dem sturen Präsidenten zuvor gesetzt hatte. Andernfalls wäre Zuma im Parlament durch ein Misstrauens­votum entmachtet worden – eine Demütigung erster Güte.

Die Resonanz auf die Rede war entsprechend kritisch: «Es war ein typischer Zuma: unehrlich, selbstsüchtig und ohne Substanz», kommentierte der renommierte Zeitungskolumnist Justice Malala in einer ersten Analyse. Für Südafrika sind Zumas Amtsjahre in der Tat ein einziges Desaster gewesen. Seine gesamte Präsidentschaft ist von einer langen Liste schwerer Korruptionsvorwürfe überschattet.

Gezielte Unterwanderung des Staates

In den letzten Jahren ist seine einstige Popularität in der Partei, aber mehr noch in der Bevölkerung durch Zumas enge Bande zu der reichen indischen Unternehmerfamilie Gupta geschwunden, die sich hemmungslos an den Fleischtöpfen des Staates bereichert hat. Der Strommonopolist Eskom und andere staatliche Unternehmen wie etwa die nationale Fluglinie SAA wurden gnadenlos geplündert und stehen vor dem Bankrott. Vor allem aber wurden die Strafverfolgungsbehörden frühzeitig und gezielt von Zuma gelähmt, darunter Sondereinheiten der Polizei, Generalstaatsanwaltschaft, aber auch der Geheimdienst. In Südafrika ist diese gezielte Unterwanderung auch als «Kaperung des Staates» (state capture) bekannt und dürfte eines Tages in den politischen Lehrbüchern weltweit als Anschauungsbeispiel dienen. Spätestens mit der Wahlniederlage seiner Ex-Frau Nkosasana Dlamini Zuma gegen Zumas Erzrivalen Cyril Ramaphosa auf dem Parteitag des ANC im Dezember hat der Wind jedoch gedreht: Durch die versuchte Berufung seiner Frau zur Vizepräsidentin hatte sich Zuma ausreichend Schutz vor einer strafrechtlichen Verfolgung erhofft, wie sie ihm nun droht.

Angesicht seines giftigen Vermächtnisses wird die Wende zum Besseren gewiss nicht einfach werden, zumal Zuma inmitten einer Wirtschaftskrise geschasst wird, die seine Politik entscheidend zu verantworten hat. Die Verdopplung der Staatsverschuldung in nur zehn Jahren und die willkürliche Ernennung von Ministern, gerade auch im Finanzressort, hat das Zutrauen der Anleger unterminiert und dazu geführt, dass Südafrika von allen Ratingagenturen inzwischen auf Ramschstatus herabgestuft worden ist.

Wie erleichtert die schwer angeschlagene Wirtschaft über die nun gesicherte Präsidentschaft Ramaphosas ist, lässt sich an der bemerkenswerten Erholung der südafrikanischen Währung Rand in den vergangenen Tagen ablesen. Bereits zu Wochenbeginn war der Rand auf mehrjährige Hochs zu Dollar und Euro geklettert. Offenbar ist die Privatwirtschaft überzeugt, dass Ramaphosa als versierter Geschäftsmann seinen Worten auch jenseits der Politik Taten folgen lässt und nun wirklich aktiv gegen die unter Zuma völlig aus dem Ruder gelaufene Korruption vorgeht.

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

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