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Berlin sucht nach dem Feiertag

Die deutsche Hauptstadt hat die wenigsten Feiertage Deutschlands. Die Regierung will das ändern. Nun ­ soll der Internationale Frauentag mit einem freien Tag begangen werden.
Christoph Reichmuth, Berlin

Die Bayern haben es mal wieder am besten. Die verdienen deutlich mehr als die Berliner, verfügen über schöne Berge und Landschaften mit satten Wiesen, haben mehr Sonnenstunden und einen – jedenfalls zumeist – erfolgreichen Fussballclub. Und mit München eine Metropole mit hübscher Altstadt und südländischem Flair. Nicht zuletzt: Die Bayern haben dreizehn Feiertage pro Jahr. Das sind satte vier mehr, als sie die Berliner haben.

Nun will Berlin aufholen. Schon im nächsten Jahr sollen die Menschen in der Hauptstadt einen zusätzlichen Feiertag erhalten, um die Ungerechtigkeits­lücke wenigstens ein bisschen zu schliessen. Die rot-rot-grüne Regierung hat sich nach langem Ringen auf den 8. März geeinigt. Das ist der Internationale Frauentag. Weil der 8. März 2020 auf einen Samstag fällt, muss es nun schnell gehen, damit die Berlinerinnen und Berliner 2019 mit dem Freitag ein verlängertes Wochenende erhalten: Am 13. Dezember soll der neue Feiertag im Abgeordnetenhaus abgesegnet werden. So rasch voran geht’s in der Hauptstadt selten. Wenn’s um freie Tage geht, kann Berlin offenbar doch aufs Tempo drücken.

Der Internationale Frauentag gemahnt an den unerbittlichen Kampf zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Gleichberechtigung, Wahlrecht für Frauen und Emanzipation. In Zeiten ungleicher Bezahlung und Unterdrückung von Frauen in vielen Teilen der Welt bis heute ein Datum mit hohem symbolischen Wert. Allerdings steht das Datum nicht spezifisch für die Hauptstadt Berlin. Daher ist das Datum auch eher ein Kompromiss der Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei.

«Damit hatten wir die ­Feiertagsdebatte»

SPD-Regierungschef Michael Müller favorisierte den 18. März als Erinnerung an die Märzrevolution von 1848 in Berlin. Viele Medien und auch Historiker sprachen sich für den 9. November aus. Tatsächlich ein Datum, das für Freiheit, Demokratie, aber auch Unrecht und Verfolgung steht: Am 9. November 1918 wurde die Republik ausgerufen, am 9. November 1923 fand der Hitler-Putsch in München statt, fünfzehn Jahre später brannten Synagogen nieder und starben Juden im Zuge der Novemberpogrome 1938. Und am 9. November 1989 fiel in Berlin die Mauer.

Die Linkspartei wiederum brachte den 8. Mai ins Spiel, Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur. Die Kirchen plädierten für den Reformationstag am 31. Oktober, und die oppositionelle CDU wollte gleich jedes Jahr einen neuen arbeitsfreien Tag bestimmen. «Wir wollen keine Routine im Gedenken», begründete CDU-Fraktionschef Burkard Dregger.

Nun also wird es der 8. März. Wäre es nach SPD-Regierungschef Michael Müller gegangen, bliebe Berlin auf seinen neun Feiertagen jährlich sitzen. Aber weil nach dem Reformationsjubiläum im letzten Jahr etliche Bundesländer den Reformationstag gleich fix zum Feiertag erklärt hatten, fragten Berliner Medien beim Bürgermeister an, warum die Hauptstadt in Sachen Feiertage schon wieder leer ausgehe. «Damit hatten wir die Feiertagsdebatte», erinnert sich Müller. Und fügt hinzu: «Die wollte ich nicht. Aber sie war nicht mehr wegzubekommen.»

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