Streit zwischen Saudis und den USA wegen Bahrain

Der Einmarsch saudischer Truppen in das von Protesten erschütterte Bahrain hat die Spannungen zwischen dem Königshaus und den USA weiter erhöht. In Bahrain wurde gestern der Ausnahmezustand ausgerufen.

Thomas Spang
Merken
Drucken
Teilen
König Abdullah (Bild: epa)

König Abdullah (Bild: epa)

washington. Das Weisse Haus hielt sich mit öffentlicher Kritik am Eingreifen der Saudis im Nachbarstaat Bahrain auffallend zurück. «Das ist keine Invasion», erklärte Sprecher Jay Carney zum Entscheid der saudischen Herrscher, 2000 Soldaten in das Inselreich im Persischen Golf zu schicken. Zwischen den Zeilen und hinter den Kulissen lässt sich das Unbehagen mit dem wichtigsten Verbündeten in der arabischen Welt jedoch kaum übersehen.

Auch gegen Iran gerichtet

Die US-Regierung verpackt Kritik in ihrem Ruf nach politischem Dialog und Gewaltverzicht. Eine Kombination, die sich in Ägypten als fatal für Präsident Mubarak erwies, dem die Macht Stück für Stück entglitt. Genau dieses Szenario befürchtet das saudische Königshaus nun direkt vor seiner Haustüre. Während die Demonstranten in Bahrain zunächst bloss ein echtes Parlament forderten, verlangen sie nach Wochen des Protests nun ein Ende der Monarchie.

Getragen werden die Proteste in Bahrain von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, die seit Generationen von sunnitischen Herrschern regiert wird. Darin sieht Saudi-Arabien doppelten Anlass, eine Grenze zu ziehen, die aus seiner Sicht nicht übertreten werden darf. Zum einen geht es um den Erhalt der eigenen Macht, die durch Unruhen der schiitischen Minderheit in den ölreichen Gebieten im Osten Saudi-Arabiens unterminiert werden könnte. Zum anderen spielt die Rivalität mit Erzfeind Iran eine Rolle, den die Saudis beschuldigen, die Proteste zu schüren.

Streit an Ägypten entzündet

Riad informierte Washington 24 Studen vor dem Einmarsch in Bahrain von seiner Absicht. Ob die Ausladung von US-Verteidigungsminister Gates und Aussenministerin Hillary Clinton in den vergangenen Tagen mit den Vorbereitungen der Invasion zu tun hatten oder dem angeschlagenen Gesundheitszustand des schwerkranken Königs Abdullah (87) geschuldet sind, liess sich nicht in Erfahrung bringen. Experten machen aber darauf aufmerksam, dass die saudische Herrscherfamilie nicht gut auf die US-Regierung zu sprechen sei.

Hintergrund sind Meinungsdifferenzen über den Umgang mit den Protesten in Ägypten. König Abdullah drängte Präsident Obama, Mubarak nicht fallenzulassen. Obama stellte sich aber auf die Seite der Demonstranten. «Die Saudis haben das sehr persönlich genommen», sagt ein Mitarbeiter des Weissen Hauses gegenüber der «New York Times»: «Weil sie sich fragen, was wir tun, wenn sie die nächsten sind.»

Retourkutsche der Saudis

Dafür ignorieren die Saudis nun die Appelle der US-Regierung, vorsorglich demokratische Reformen durchzuführen. Stattdessen setzen die Alleinherrscher auf eine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche, also auf einen Geldsegen für die Bevölkerung von 36 Milliarden Dollar und auf ein massives Polizeiaufgebot, das Proteste im Keim erstickt.

Der Einmarsch in Bahrain ist laut Experten in diesem Kontext zu sehen. Washington bleibt nicht viel anderes übrig, als die Saudis zur Vernunft zu rufen. Mit der Front gegen Iran und der Abhängigkeit von den saudischen Ölreserven teilen die USA ein strategisches Interesse, das sie und Saudi-Arabien über Jahrzehnte zu engen Verbündeten machte.