Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Inselstreit verhindert Frieden zwischen Russland und Japan

Beim heutigen Treffen des russischen Präsidenten Putin mit Japans Premier Abe geht es auch um den Friedensvertrag zwischen ihren Ländern. Wären da nicht die Kurilen.
Inna Hartwich, Moskau
Eine der Inseln in der Kurilen.

Eine der Inseln in der Kurilen.

Den Flughafen im russischen Städtchen Juschno-Kurilsk hatten Japaner gebaut, als der Ort – eher ein Dorf mit heute knapp 7000 Einwohnern – noch japanisch war. Furukamappu hiess der Ort und die Insel, auf der die Stadt liegt, Kunashiri. Seit mehr als 70 Jahren wohnt auf der «Schwarzen Insel», wie die einstigen Ureinwohner Ainu sie nannten, kein Japaner mehr. Genau so lang ist das heutige Kunaschir, wie die gesamte Kurilen-Inselkette, ein Streitpunkt zwischen Moskau und Tokio. Der Territorialkonflikt wird auch beim heutigen Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem japanischen Premierminister Shinzo Abe auf den Verhandlungstisch in Moskau kommen.

Japan ist schon aus rein innenpolitischen Zielen daran interessiert, endlich Frieden mit Russland zu schliessen und dadurch die russisch-chinesische Allianz zu schwächen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Moskau und ­Tokio keinen Friedensvertrag unterschrieben – stets, weil vier Kurilen-Inseln, zum Teil unbewohnt, dazwischen standen. Bei einem Treffen im November des vergangenen Jahres kamen sich Russland und Japan in der Frage überraschend näher, weil sowohl Moskau als auch Tokio signalisiert hatten, die Verhandlungen um den ausstehenden Vertrag zu beschleunigen. Putin sprach davon, die Deklaration von 1956 als Grundlage zu nehmen: Darin ging es um die Rückgabe von zwei ­Kurilen-Inseln. Seither steigt die Angst der Russen, die Kurilen an die Japaner zu verlieren, und führte Hunderte von ihnen in den vergangenen Tagen auf die Strasse. «Wir geben die Kurilen niemals her», war auf Plakaten zu lesen.

Japan verzichtete 1951 auf die Inseln

Die Kurilen befinden sich im Ochotskischen Meer, wie eine feine Kette ziehen sie sich von der russischen Halbinsel Kamtschatka bis zur japanischen Insel Hokkaido. Es gibt 56 Inseln vulkanischen Ursprungs, manche von ­ihnen sind lediglich Felsen im Meer. Bereits im 19. Jahrhundert gerieten Russen wie Japaner auf den Kurilen aneinander und legten im Vertrag von Shimoda 1855 die Grenze zwischen ihren Ländern fest: Sie sollte zwischen Iturup (japanisch Etorofu) und Urup (Uruppu) verlaufen. Die Insel Sachalin (Karafutu) galt als «Gebiet mit Interesse beider Staaten».

20 Jahre später wurde Sachalin russisch, dafür kamen alle ­Kurilen-Inseln unter japanische Hoheit. Zwei Wochen nach Japans Kapitulation, die den Zweiten Weltkrieg auch im Pazifik beendete, liess der sowjetische Diktator Josef Stalin die von Tokio beherrschten Kurilen besetzen. Die Japaner wurden vertrieben, viele von ihnen kamen in sibirische Lager. Im Friedensvertrag von San Francisco verzichtete Japan 1951 auf die Kurilen. Die südlichen vier Inseln – Iturup (Etorufu), Kunaschir (Kunashiri), Schikotan (Shikotan) und die unbewohnte Chabomai-Gruppe vor Hokkaido – gehörten nach japanischer Lesart aber nicht dazu. Russland sieht das bis heute anders. Im Jahr 1956 hätten sich beide Länder beinahe darauf geeinigt, im Falle eines Friedensvertrages Schikotan und die Habomai-Gruppe wieder japanisch werden zu lassen. Wenn denn die Japaner zugestanden hätten, keine Militärbasen auf den Inseln zu stationieren. Auf Druck der USA forderte Tokio ­allerdings alle vier Inseln zurück, der Friedensvertrag kam nicht zustande. Genau auf diese Deklaration von 1956 bezieht sich nun ­Putin. Moskau spricht allerdings höchstens von «Übergabe», nicht von «Rückgabe».

Russland liegt viel an der ­Zusammenarbeit mit Japan, da es sich in seinem fernen Osten wirtschaftliche Impulse erhofft, vor allem in der Infrastruktur und in der Verarbeitung von Flüssiggas auf der Insel Sachalin, die nicht zu den Kurilen gehört. Japan wiederum will vom reichen Fischfang profitieren. Vor dem Gespräch mit Putin signalisierte Abe seine Bereitschaft, auf der Übergabe von lediglich zwei Inseln zu bestehen. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sieht dagegen noch lauter «ungeklärte Auffassungen zwischen Russland und Japan». Zunächst müsse Tokio das «Ergebnis des Zweiten Weltkrieges» anerkennen. Das aber heisst nach russischem Verständnis: Die Kurilen gehören zu Russland.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.