Streit über Afghanistan im Weissen Haus

Das neue Buch des «Watergate»-Enthüllers Bob Woodward beschreibt bittere Grabenkriege in der US-Regierung über die Afghanistan-Strategie. Barack Obama wird als Kriegsherr wider Willen gezeichnet.

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Washington. Richtig neu ist in dem Buch «Obama's War» nur die Enthüllung einer 3000 Mann starken CIA-Spezialeinheit aus afghanischen Elite-Soldaten, die in Pakistan Jagd auf Al Qaida macht. Pakistan reagierte prompt. Islamabad sei nichts von einer solchen Streitkraft bekannt, sagte ein Regierungssprecher. «Wir werden sie als Feind behandeln. Wir dulden keine fremden Soldaten auf unserem Boden.»

«Zwei Jahre Zeit»…

Vieles, was Woodward sonst schreibt, überrascht nicht. Wer im vergangenen Jahr die Berichterstattung verfolgte, dürfte wissen, dass der Entsendung weiterer 30 000 Soldaten nach Afghanistan bittere interne Kämpfe vorausgingen. Oder dass Obama zusätzliche Truppen nur widerwillig und als Teil einer «Exit»-Strategie bewilligte. Woodward beschreibt ein Treffens Obamas mit Aussenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates. «Ich mache keine zehn Jahre», schärfte Obama den beiden ein.

«Ich mache keine Staatenbildung. Ich gebe keine Billionen Dollar für Afghanistan aus.» Obama begründet seine Haltung in einem sechsseitigen Memo: Mit der Aufstockung um 30 000 Soldaten müssen die Bedingungen für einen Rückzug am Juli 2011 geschaffen werden. «Die Öffentlichkeit gibt uns zwei Jahre Zeit.» Wir werden uns nicht darüber unterhalten, wie wir die Mission verändern können», zitiert Woodward den Präsidenten. «Es sei denn, wir sprechen über einen schnelleren Rückzug.»

…oder Kampf über Jahrzehnte?

Dies kontrastiert mit der Sicht der aktiven Militärs. General Petraeus sagte Woodward, er glaube nicht, dass Afghanistan «gewonnen» werden könne. «Dies ist ein Kampf, den wir den Rest unseres Lebens und wahrscheinlich des Lebens unserer Kinder führen werden.» Thomas Spang