STRASSBURG: Die Welt sagt Helmut Kohl Adieu

Weltpolitiker, grosser Europäer, Kanzler der Einheit. Auch wenn es Schattenseiten gab – beim Trauerakt für Altkanzler Helmut Kohl in Strassburg sagen Redner von Juncker bis Merkel vor allem eins: Danke.

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Soldaten tragen den Leichnam Helmut Kohls. (Bild: Patrick Seeger/EPA (Strassburg, 1. Juli 2017))

Soldaten tragen den Leichnam Helmut Kohls. (Bild: Patrick Seeger/EPA (Strassburg, 1. Juli 2017))

Auch wenn Helmut Kohl gestorben ist – EU- Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat noch eine Bitte an ihn. «Lieber Helmut, du bist jetzt im Himmel. Versprich mir, dass du dort nicht sofort einen CDU-Ortsverband gründest. Du hast genug getan, für deine Partei, dein Land, für unser gemeinsames Europa.» Er schwärmt von dem «deutschen und europäischen Patrioten», dem «Nachkriegsgiganten» und berichtet von Kohls grossen Verdiensten. Aber es blitzt eben auch dieser Humor auf in trauriger Stunde. Kohl hätte das gefallen.

Erstmals in der Geschichte der Europäischen Union, die Kohl so wesentlich geprägt hat, wird für einen Politiker ein europäischer Trauerakt ausgerichtet. In Strassburg, «am Sitz des Parlaments, dessen Freund er immer war», sagt Juncker. Unweit des Rheins, nicht weit von seiner Heimatstadt Ludwigshafen entfernt. Es wurde ein schönes Porträt von Kohl aufgestellt. Es zeigt ihn im hohen Alter mit verschmitztem Lächeln. Bewunderer, Wegbegleiter, Staats- und Regierungschefs stehen an seinem Sarg, der in eine Europaflagge gehüllt ist, und beschreiben ihn als Mann mit Werten: Verlässlichkeit, Vertrauen, Idealismus, Überzeugungskraft, Mut. Als Vermittler zwischen Ost und West und zwischen Menschen. Alle Redner im Strassburger Europaparlament sind wie Kohl Praktiker der Macht, aktive oder ehemalige Politiker. Alte Hasen wie Bill Clinton und politische Wunderkinder wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Sie bescheinigen Kohl grossen Mut und Idealismus, Pragmatismus, politisches Feingefühl und Überzeugungskraft.

Söhne sind nicht anwesend

Zu den traurigen Seiten gehört für manche an diesem Tag des Abschieds, dass es keinen deutschen Staatsakt für Kohl gegeben hat. Er wollte wohl frühere politische Gegner wie den heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Redner verhindern. Traurig auch, dass er und seine Söhne Peter und Walter sich nicht mehr versöhnt haben. Witwe Maike Kohl-Richter verwehrte ihnen zuletzt den Einlass ins Elternhaus in Ludwigshafen-Oggersheim.

Und die Spendenaffäre der CDU, deretwegen er den Ehrenvorsitz der Partei zurückgab, wurde nie aufgeklärt. Die Namen der Spender nimmt Kohl, der am 16. Juni im Alter von 87 Jahren starb, mit ins Grab. Eine schwierige Grundkonstellation ist das für Kanzlerin Angela Merkel, als sie ans Rednerpult tritt. Alle Welt weiss von ihrem Zerwürfnis mit Kohl in der Spendenaffäre, als die einstige Ziehtochter Kohls die CDU 1999 aufforderte, sich von ihm zu emanzipieren. Zu einer richtigen Versöhnung kam es nie.

Merkel streift, dass Kohl polarisierte und Widerworte nicht schätzte. Viele Menschen hätten sich an ihm gerieben. Sie selbst auch. Und sie erinnert an Kohls erste Ehefrau Hannelore, die sich vor 16 Jahren das Leben nahm. Sie sagt, ihr Mitgefühl gelte Maike Kohl-Richter und «allen, die in Helmut Kohls Familie um ihn trauern». Seine Söhne werden bei der Trauerfeier nicht gesehen.

Kristina Dunz, Martina Herzog (DPA)