Störmanöver gegen den Papst

Mit dubiosen Beschwerdebriefen an den Papst und Indiskretionen versuchen konservative Kreise in Rom, an der Familien-Synode Reformen zu verhindern.

Dominik Straub
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ROM. Halbzeit an der Familien-Synode – und die Stimmung im Vatikan ist nicht die beste. «Bevor ich mit meiner Katechese beginne, möchte ich mich bei euch allen im Namen der Kirche für die jüngsten Skandale in Rom und im Vatikan entschuldigen», sagte Papst Franziskus an der gestrigen Generalaudienz vor Tausenden von Gläubigen. Welche Skandale er meinte, sagte er nicht. Aber man kann davon ausgehen, dass er auch an die Störmanöver dachte, die mehrere konservative Kardinäle in den letzten Tagen gegen ihn und die Synode organisiert hatten.

Desavouierung des Papstes?

Vor wenigen Tagen ist der Zeitschrift «L'Espresso» ein Brief zugespielt worden, in dem sich angeblich 13 konservative Kardinäle beim Papst beschweren, dass er mit der Formulierung des Arbeitspapiers für die Synode sowie mit der Zusammensetzung der wichtigen Kommissionen die Weltbischofsversammlung so vorgespurt habe, dass bezüglich der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene und des Umgangs mit Homosexuellen nichts anderes als eine Liberalisierung resultieren könne. Oder direkter: Der Papst inszeniere mit der Synode eine Farce.

Wer dem «Espresso» den Brief zugespielt hat, ist nicht bekannt. Vier der genannten Kardinäle haben zudem sofort dementiert, das Schreiben je gesehen oder gar unterzeichnet zu haben. Feststeht, dass der Brief existiert und er noch nachträglich abgeändert worden war – von wem ist ebenfalls unbekannt. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller aus Deutschland, nannte es «skandalös», dass erneut interne, direkt an den Papst gerichtete Post öffentlich gemacht geworden sei. «Wir stehen vor einem neuen Vati-Leaks», sagte der konservative Müller in einem Interview.

Die Frage ist nur, wer in der Kurie dafür verantwortlich ist – und was damit bezweckt wird. «Es gibt keinen neuen Skandal um heimlich weitergereichte Dokumente, aber es soll der Eindruck erweckt werden, es gebe einen solchen», zitierte der «Corriere della Sera» gestern einen Papst-Vertrauten. Die Vorgänge in der Kurie seien «alarmierend»: Die Reformgegner versuchten, ein – nicht der Realität entsprechendes – Bild einer chaotischen und zerstrittenen Synode zu zeichnen. Damit wollten sie «nicht nur die Synode, sondern gleich das ganze bisherige Pontifikat des lateinamerikanischen Papstes desavouieren». Das Mailänder Blatt wirft den Konservativen vor, ihre Manöver «von langer Hand geplant» zu haben. Tatsächlich zirkulierte im Vatikan schon vor der Synode ein Dossier, das einem «Sündenregister» von Franziskus gleichkam.

Ein Kompromiss liegt vor

Derweil gehen die Diskussionen in die heisse Phase. Bezüglich der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene, dem umstrittensten Thema, scheinen die Fronten verhärtet. Doch gibt es einen Kompromissvorschlag: Einige Synodenväter fordern, dass keine allgemein gültige Regelung getroffen wird, sondern dass die Bischöfe die Möglichkeit erhalten, den Gegebenheiten und Sensibilitäten in ihren Bistümern ein Stück weit Rechnung zu tragen. In mitteleuropäischen Diözesen könnte die pastorale Praxis – nicht die Lehre – etwas liberaler ausgestaltet werden als in Kontinenten, wo die Kirche andere Probleme hat.

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