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Japans Kaiser Akihito: Stilvoll, schlicht und etwas steif

Japans Kaiser Akihito hat am Mittwoch offiziell abgedankt. Sein 59-jähriger Sohn Naruhito hat daraufhin den Chrysanthemen-Thron bestiegen – und das Volk darf zehn Tage lang feiern.
Angela Köhler, Tokio

Akihito (85) sagte leise Sayonara. Wie in letzter Zeit gewohnt leicht vorgebeugt, schlurft der alte Kaiser auf schwarz-lackierten Asa­gutsu-Pantoffeln durch die Gänge des Palastes. Das hölzerne Schuhwerk mit den hohen Sohlen verursacht auf dem Zedernboden ein rhythmisches Klappern, das schon aus der Distanz den Ankommenden vermeldet.

Dem Anlass entsprechend, hatte der 125. Tenno der japanischen Geschichte den traditionellen Kimono Korozen no goho gewählt, in einem edlen Goldbraun, und er trägt wie immer zu feierlichen Anlässen die Kanmuri-Kopfbedeckung, ein Hut mit Schleife aus schwarzem Papier. Allerdings vermied Akihito die ganz strenge Mode der höfischen Tracht mit ihren schweren zwölf Lagen, eher eine abgespeckte Version quasi als Marscherleichterung für diesen ritualen Gang.

Verehrung und Respekt für die Sonnengöttin

Der Kaiser muss den Göttern seine Abdankung ankündigen, so sehen es die Shinto-Religion und die 2600-jährige Tradition vor. Begleitet wurde er von zwei Priestern in weissen Gewändern und schwarzen Hüten, die eine Art Schleppe hinter Akihito halten. Niemand anders darf dabei sein, wenn ein Tenno in einem der Palastschreine die religiösen Riten vollzieht. In diesen Heiligtümern der Urreligion Nippons zollte Akihito noch einmal seiner wichtigsten Ahnin, der Sonnengöttin Amaterasu Omikami, Verehrung und Respekt. Den Mythen nach stammen alle japanischen Kaiser von dieser Lichtgestalt ab.

Zeremonie im Fernsehen live übertragen

Der eigentliche Abschied des Tennos aus drei Dekaden Regentschaft verlief später eher ­prosaisch. Um Punkt 17 Uhr begann – vom Fernsehen live übertragen – ein nur zehnminütiges Zeremoniell im Matsu-no-Na. Der wegen seines im Palast einzigartigen Holzfussbodens «Kiefernkammer» genannte Prunksaal ist mit 370 Quadratmetern die grosse Halle im Kaiserpalast von Tokio. Zum letzten Mal werden dem Tenno seine Amtssiegel, das Reichsschwert und ein Kronjuwel -allesamt geheimnisvoll in Tücher gehüllt – als Insignien seiner kaiserlichen Legitimität zur Seite gegeben. Es gibt von diesen Kleinoden weder Zeichnungen noch Fotos. Nicht einmal der Tenno selbst darf sie zu Gesicht bekommen.

Etwa 300 handverlesene Gäste hatten die Ehre, diesem Akt beizuwohnen – die Regierung, Parlamentarier, hochrangige Richter und regionale Gouverneure. Auch die erwachsenen Mitglieder der imperialen Familie waren anwesend, bei dieser seltenen Gelegenheit sogar die weiblichen. Japans Premierminister Shinzo Abe würdigt noch einmal die ausserordentlichen Verdienste von Tenno Akihito, der als erster Kaiser seit über 200 Jahren freiwillig und noch zu Lebzeiten in den Ruhestand tritt.

Letzte Ansprache des scheidenden Tenno

Westlich, aber festlich gekleidet im Gehrock sagt Akihito auch seinen lebenden Untertanen mit einer letzten Ansprache Sayo­nara. Formal blieb der 85-Jährige noch bis Mitternacht Kaiser, ab 1. Mai amtiert sein 59-jähriger Sohn Naruhito, der gestern mit den heiligen Schätzen und kaiserlichen Siegeln offiziell als 126. Tenno den legendären Chrysanthemen-Thron übernahm. Die japanische Dynastie gilt als die älteste der Welt und reicht der Legende nach bis zum mythischen Kaiser Jimmu zurück, der ab 660 vor Christus regiert haben soll.

Zu der traditionellen Prozedur waren zunächst nur die Regierung und die drei männlichen Erwachsenen des Kaiserclans zugelassen, aber nicht einmal die neue Kaiserin Masako. Erst in einer zweiten Zeremonie vor 266 geladenen Gästen aus der Politik erschienen die Damen der imperialen Familie. Die 55-jährige Masako trug ein weisses bodenlanges Kleid, eine Schärpe und eine Tiara.

Nach der feierlichen Übergabe der Insignien leistete Naruhito seinen Eid auf die Verfassung und gelobte, seine Pflichten als Symbol des Staates und der Einheit des Volkes treu zu erfüllen. Genau so ist das Amt beschrieben, regieren darf auch dieser Tenno nicht. Er soll sich aus politischen Debatten heraushalten, darf aber Ende Mai als ersten Staatsgast US-Präsident Donald Trump empfangen.

Formell und international wird der neue Tenno erst im Oktober gekrönt. Bis dahin wird er sich relativ rar machen und seinem Volk nur am 4. Mai auf dem verglasten Balkon des Tokioter Palastes zuwinken – sechs Mal im Stundentakt. In voller Würde besteigt Naruhito dann am 22. Oktober offiziell den Chrysanthemen-Thron. Zu dieser grossen Krönungsfeier sind Tausende Staatsgäste aus rund 200 Ländern eingeladen. Anschliessend wird sich das Kaiserpaar dem Volk und den hochrangigen Besuchern bei einer Parade durch das Zentrum Tokios zeigen.

Wirtschaft hofft auf Milliarden-Geschäft

Stilvoll zwar, aber eher schlicht und etwas steif wechselte die imperiale Epoche. Wenigstens wurde nach der Abdankung von Akihito mit einem Gläschen Wein angestossen. So nüchtern der Amtswechsel insgesamt ablief, das Volk soll ausgelassen feiern. Zum Ära-Wechsel wurde den Japanern für zehn Tage – vom 27. April bis zum 6. Mai – eine Art erweiterter Staatsurlaub verordnet. Banken, Schulen, Behörden haben geschlossen. Nicht so allerdings Geschäfte und Restaurants, denn Nippons Wirtschaft erhofft sich einen Thron-Boom. Erwartet wird ein Milliarden-Geschäft.

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