Starke Signale aus Hamburg

Die Bilanz des Wahlabends in Hamburg: Die SPD kann jubeln, zudem schaffen es die FDP und die AfD ins neue Parlament. Die CDU erleidet eine Schlappe.

Fritz Dinkelmann/Berlin
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Olaf Scholz Bürgermeister von Hamburg (Bild: dapd/Axel Heimken)

Olaf Scholz Bürgermeister von Hamburg (Bild: dapd/Axel Heimken)

Die SPD hat bei der Hamburger Bürgerschaftswahl zwar die absolute Mehrheit knapp verpasst. Es ist dennoch der persönliche Triumph des Regierenden Bürgermeisters Olaf Scholz.

Bundesweit bedeutsam ist der Absturz der CDU, die als zweitstärkste politische Kraft in Hamburg mit 16 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis auf Landesebene verdauen muss. Auch das Resultat der längst totgesagten FDP ist für die ganze Republik bedeutsam. Erstmals seit der Bundestagswahl schafften die Liberalen den Wiedereinzug in ein Landesparlament, und das mit über 7 Prozent. Ebenso bemerkenswert ist, dass die AfD die 5-Prozent-Hürde meisterte und die Alternative für Deutschland nun erstmals auch in einem westdeutschen Parlament vertreten ist.

Kräftig zulegen und feiern konnte gestern auch die Linke, die sich gegenüber der letzten Wahl von 6,4 auf 8,7 Prozent steigern konnte. Und zufrieden mit ihrem Ergebnis von gut 11,5 Prozent sein können auch die Grünen, allein schon darum, weil Olaf Scholz mit ihnen die neue Regierung bilden will.

FDP meldet sich zurück

Noch vor wenigen Monaten schien es unvorstellbar, dass die auch in Hamburg nahe dem Nullpunkt frierende FDP in der Hansestadt plötzlich ein Wiederauferstehungs-Erlebnis feiern könnte. Doch die Liberalen schafften es, und ihr Parteivorsitzender Christian Lindner hat nun endlich das, was die Partei von ihrem einstigen Hoffnungsträger immer dringlicher gefordert hat: einen Wahlerfolg. Entsprechend gelöst kommentierte er das Ergebnis: «Die Freude und die Erleichterung sind gross, aber wir bleiben auf dem Teppich». Lindner dankte allen, «die der Partei eine neue Chance gegeben haben», und vor allem dankte er jener Frau, die als Spitzenkandidatin in Hamburg gezündet hatte: Katja Suding.

Entgeistert hatten deutsche Medien einen liberalen Wahlkampf kommentiert, der weniger von Inhalten dominiert wurde als dem, was die FDP in Hamburg zeigte: «die Beine von Katja Suding» und «Sixpacks» von liberalen Kandidaten. So postete der Bürgerschaftsabgeordnete Robert Bläsing sein Muckie-Selfie auf Facebook und Twitter, und drei libertäre liberale Frauen präsentierten die Partei im People-Magazin Gala mit dem FDP-Slogan: «Drei Engel für Lindner». Offenbar hat es funktioniert, wobei Olaf Scholz, der noch etwas grössere Wahlsieger des Abends, bewiesen hat, dass Erfolge auch ohne Sex und Glamour und blendende Auftritte möglich sind.

Im Wahlkampf als «schillernde Blässe» beschrieben, in der Heute-Show von Oliver Welke als Politiker verspottet, der in seiner ganzen Karriere in der Öffentlichkeit als weisser Fleck nur wahrgenommen worden sei, so spröd und langweilig, dass es von ihm auch keine verwertbaren Zitate gebe: dieser Olaf Scholz ist in Hamburg mit Abstand der beliebteste Politiker, ihm vertrauen die Menschen.

Herber Rückschlag für CDU

Was aber sollte sein CDU-Herausforderer Dietrich Wersich sagen? Die Niederlage kam für ihn und die Partei erwartet, auch in dieser Grössenordnung, doch schockte das schlechteste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl dann doch.

Der AfD-Erfolg in Hamburg wird vor allem den liberalen Kräften Auftrieb geben. Denn der Einzug in die Bürgerschaft ist wesentlich ein Verdienst von Olaf Henkel, der beweisen konnte, dass die Alternative für Deutschland nicht allein mit rechtspopulärer Politik erfolgreich sein kann.

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