Stadler baut Standort Berlin kräftig aus

Für bis zu 70 Millionen Euro erweitert und modernisiert der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer seinen zweitgrössten Standort. Kurz nach der Jahrtausendwende hatte Stadler das Werk vor der Schliessung gerettet.

Thomas Griesser Kym
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Ein Zug für die Berliner S-Bahn, gemeinsam entwickelt von Stadler und Siemens. (Bilder: PD)

Ein Zug für die Berliner S-Bahn, gemeinsam entwickelt von Stadler und Siemens. (Bilder: PD) 

Nach dem Hauptsitz in Bussnang ist Berlin-Pankow der zweitgrösste Standort des Ostschweizer Schienenfahrzeugherstellers Stadler. 1300 Mitarbeitende sind in der deutschen Hauptstadt beschäftigt, womit Stadler dort einer der grössten industriellen Arbeitgeber ist. Die Stadler Pankow GmbH ist innerhalb der Gruppe das Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Strassen- und Stadtbahnen sowie Metro-Fahrzeugen. Zudem werden in Berlin-Pankow alle Produkte des Portfolios für den deutschen Markt sowie Strassen- und Stadtbahnen für den Export entwickelt, gefertigt und montiert.

Der neue Chef der Stadler Pankow GmbH, Jure Mikolcic.

Der neue Chef der Stadler Pankow GmbH, Jure Mikolcic.

Nun will Stadler den Standort ausbauen. Budgetiert sind Investitionen von bis zu 70 Millionen Euro (80 Millionen Franken). Das ist fast so viel, wie Stadler für den Bau des neuen Werks in St. Margrethen ausgibt (86 Millionen Franken), in das der Grossteil des Werks Altenrhein zügeln wird. Im Rahmen der Erweiterung in Berlin werden in mehreren Etappen eine neue Produktionshalle sowie in weiteren Schritten ein Logistikzentrum, zusätzliche Büroflächen und eine moderne Kantine gebaut. Das genaue Ausmass der zusätzlichen Kapazität hängt ab vom künftigen Auftragseingang. Die Planungs- und Bauarbeiten sollen bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Mit dem Ausbau will Stadler die Produktionsbedingungen optimieren und die Infrastruktur modernisieren, wi der neue Chef der Stadler Pankow GmbH, Jure Mikolcic, sagt.

Stadler als Retter in der Not

Die Stadler Pankow GmbH wurde im Jahr 2000 als Joint Venture zwischen Stadler und Adtranz gegründet und zählte damals 197 Beschäftigte. Adtranz (ABB Daimler-Benz Transportation) war 1996 aus dem Zusammenschluss der Bahnsparten von ABB und Daimler-Benz entstanden. 1999 zog sich ABB zurück, und der Einstieg von Stadler ins Berliner Werk rettete dieses vor der Schliessung. 2001 verkaufte Daimler Chrysler als Nachfolgerin von Daimler-Benz Adtranz an Bombardier – mit Ausnahme des Berliner Standorts, den Stadler Mitte 2001 ganz übernahm und seither zu Wachstum geführt hat.

Ein Fahrzeug von Stadler für die Berliner U-Bahn.

Ein Fahrzeug von Stadler für die Berliner U-Bahn.

Aktuell baut Stadler Fahrzeuge für die Berliner U-Bahn sowie zehn Fahrzeuge der Vorserie für die Berliner S-Bahn. Daran anschliessen soll die Fertigung der Serienfahrzeuge dieser Züge, die Stadler Pankow im Konsortium mit Siemens entwickelt hat. Zudem hat Stadler Pankow mit dem Flirt Akku den ersten batteriebetriebenen Regionalzug entwickelt.

Grossauftrag in Berlin für Stadler und Siemens

BERLIN. Die Deutsche Bahn geht nach dem Zuschlag für den Weiterbetrieb diverser S-Bahn-Strecken in Berlin auf Grosseinkauf – beim Schweizer Zughersteller Stadler Rail Group und bei Siemens.