Spanische Krise
Hunderte illegale Partys: So bekämpft Madrid den gefährlichen Trend

Die steigenden Zahlen kümmern die feierwütigen Touristen in Spaniens Hauptstadt kaum. Jetzt zieht AirBnB die Notbremse.

Manuel Meyer aus Madrid
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Maskenpflicht gilt auch in Madrid. Die Bars, Fitnesstudios und Kinos aber sind offen

Maskenpflicht gilt auch in Madrid. Die Bars, Fitnesstudios und Kinos aber sind offen

Getty (13. März 2021)

Blauer Himmel, die Sonne strahlt. Bei frühlingshaften 22 Grad ist auf den Terrassen der Bars und Restaurants im Madrider Ausgehviertel Huertas kaum noch ein freier Platz zu bekommen. Auch auf der Plaza Santa Ana sitzen die Menschen bei Tapas, Rotwein und Bier dicht zusammen. Es herrscht ausgelassene Ferienstimmung. Auffällig ist der hohe Anteil ausländischer Touristen. Neben Spanisch hört man im Madrider Stadtzentrum seit einigen Wochen vor allem immer mehr Französisch.

«Es ist hier so entspannt. Alle Bars und Geschäfte haben geöffnet. Irgendwie hat man in Madrid das Gefühl, dass die Coronapandemie schon längst vorbei ist», sagt die 25-jährige Hombeline aus Paris. Sie ist mit ihrer Freundin Anne übers Wochenende «zum Party machen» in die spanische Hauptstadt geflogen. Nur knapp 100 Franken haben sie für den Hin-und Rückflug gezahlt. Das Airbnb-Doppelzimmer kostet gerade einmal 55 Franken pro Nacht. Völlig begeistert erzählt Hombeline, wie sie am Vorabend im Ausgehvierteln Malasaña unterwegs waren. «Bis 23 Uhr waren alle Terrassen und Bars noch voll. Danach ging die Party in einer Privatwohnung weiter.»

6000 verbotene Feiern seit Ende Oktober

Wie Hombeline und Anne zieht es derzeit viele junge Ausländer nach Madrid, wo die Covid-Einschränkungen längst nicht so streng sind wie etwa in Frankreich. Auch am heutigen Freitag landen in Madrid allein acht Flüge aus Paris. Weitere kommen aus Toulouse, Nizza, Lyon und Marseille. Direktverbindungen gibt es auch ab Zürich und Genf. Die Aussicht auf offene Bars (Sperrstunde 23 Uhr), Restaurants, Kinos, Fitnessstudios und sogar kleine Konzerthallen macht Madrid zum Mekka der coronamüden Jugend.

Jedes Wochenende muss die Madrider Lokalpolizei hunderte illegale Feiern in Privatwohnungen oder Bars auflösen. Seit Ende Oktober registrierte sie über 6000 illegale Partys. Am vergangenen Wochenende erwischten die Beamten in einer winzigen Airbnb-Wohnung im Stadtzentrum 48 Jugendliche aus zehn verschiedenen Ländern beim Feiern – natürlich ohne Masken und Sicherheitsabstand. Die Wohnungsvermittlungs-Plattform blockierte in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben schon 800 Wohnungsangebote und 5000 Reservierungsversuche, um illegale Partys zu verhindern.

Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.

Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.

Bild: Wikipedia

Sogar Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, die für den légèren Umgang mit der Krise verantwortlich ist und die Wirtschaft keinesfalls schädigen will, fordert die Polizei inzwischen zu noch schärferen Kontrollen auf. Sie sagte:

«80 Prozent sämtlicher Coronaneuinfektionen in Madrid sind auf illegale Partys zurückzuführen.»

Die Zahlen in Spanien steigen seit einigen Tagen wieder - notabene nirgendwo stärker als in Madrid. Über Ostern soll die Reisefreiheit rund um die spanische Hauptstadt zwar kurzzeitig eingeschränkt werden. Ab Anfang April wird aber wieder gefeiert. Das bereitet Experten grosse Sorgen. «Auf den Intensivstationen der Madrider Krankenhäuser verzeichnen wir bereits einen deutlichen Anstieg jüngerer Covid-Patienten», erzählt der Epidemiologe José Félix Hoyo. Hauptverantwortlich dafür, sagt Hoyo, seien die illegalen Privatpartys. Die vollen Bars und Restaurants hingegen, die seien wegen der gut funktionierenden Schutzmassnahmen kein gravierendes Problem.