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Spaniens Mutter der Nation wird 80

Die gebürtige Griechin ist seit Jahren das beliebteste Mitglied des spanischen Königshauses – weil sie in keinen der zahlreichen Skandale verwickelt war.
Ralph Schulze, Madrid
Sofia, alt Königin von Spanien. (Bild: Carlos Alvarez/Getty)

Sofia, alt Königin von Spanien. (Bild: Carlos Alvarez/Getty)

Minutenlanger Applaus brandete auf, als Spaniens alte Königin dieser Tage zu einer Festveranstaltung ins Opernhaus Madrids kam. «Hoch lebe Sofía», riefen die Menschen. Ein schöneres vorzeitiges Geburtstagsgeschenk hätten die Bürger dieser Frau, die in den letzten Jahrzehnten durch ihr Engagement zu Spaniens Mutter der Nation wurde, kaum machen können. Sofía, die am 2. November 80 Jahre alt wird, bedankte sich bei ihren Fans mit jenem sympathischen Lächeln, das sie stets auf den Lippen hat.

Bis heute fliegen Sofía die Herzen vieler Menschen zu. Auch wenn sie inzwischen, als Königin im Ruhestand, weniger im Rampenlicht steht. ­ Aber sie ist immer noch das beliebteste Mitglied des spanischen Königshauses – das untermauerte gerade erst wieder die Adelsumfrage der nationalen Zeitung ABC. Die vielen Skandale, die den Hof in den vergangenen Jahren erschütterten, konnten Sofías gutem Image wenig anhaben – wohl auch, weil ihr persönlich keine Verfehlungen angelastet wurden.

Verfehlungen gab es reichlich. So viele, dass Sofiás Ehemann, König Juan Carlos, im Sommer 2014 seinen Rückzug ankündigen und die Macht an seinen Sohn und Kronerben Felipe übergeben musste. Aussereheliche Liebesabenteuer, luxuriöse Elefantenjagden und Korruptionsvorwürfe hatten das Ansehen Juan Carlos’ auf einen Tiefpunkt sinken lassen. Hinzu kam die Verwicklung seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarin in einen Millionenbetrug, für den dieser inzwischen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Sofía gab Engagement nicht auf

Mit dem Abtritt Juan Carlos’ rückte auch Sofía in die zweite Reihe und machte Platz für Königin Letizia, die Frau des Thronfolgers Felipe VI. Doch Sofía gab ihr gesellschaftliches Engagement trotzdem nicht auf. Als Vorsitzende der Königin-Sofía-Stiftung setzt sie sich weiterhin für eine bessere und ökologischere Welt ein – sie wolle Spanien nützlich sein, sagt sie. Juan Carlos, der im Januar 80 wurde und gesundheitlich angeschlagen ist, verschwand derweil weitgehend aus der Öffentlichkeit.

Im vergangenen Sommer machte Spaniens betagte, aber noch rüstige Königin auf der spanischen Urlaubsinsel Menorca bei einer öffentlichen Säuberungsaktion am Strand mit. In Turnschuhen und Jeans half sie, jenen Plastikmüll einzusammeln, der zunehmend die Küste und das Meer verschandelt und zu einem immer grösseren Problem wird. «Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben», sagte sie. Sie war sichtlich erschüttert von den grossen Müllmengen, die an den Stränden antreiben. «Ich will die Dinge nicht nur vom Büro aus betrachten», erklärte die Mutter von König Felipe und stopfte zusammen mit anderen Freiwilligen alte Mineralwasserflaschen, Plastiktaschen und sonstige Strandabfälle in grosse gelbe Müllsäcke. Solche Szenen nähren das Bild einer bürger­nahen Königin, die auch mit anpackt.

Sofías eiserne Disziplin

Vor allem Sofías eiserner Disziplin ist es zu verdanken, dass Spaniens Königsfamilie lange Zeit als perfekt galt und Familienkrisen nicht an die Öffentlichkeit gelangten. Doch hinter der schönen Fassade rumorte es schon lange. Heute ist es zum Beispiel ein offenes Geheimnis, dass Sofía und Juan Carlos nur noch in der Theorie ein Paar sind. In Wirklichkeit leben die beiden schon viele Jahre getrennt und sehen sich nur noch selten.

Sofía kam 1938 als Tochter des früheren griechischen Königs Paul I. in der Nähe Athens zur Welt. Sie ist zugleich Urenkelin des deutschen Kaisers Wilhelm II. und spricht, seit einer Jugendetappe im deutschen Elite-Internat Schloss Salem am Bodensee, gut Deutsch. Ihren Ehemann Juan Carlos traf die junge griechische Prinzessin im Jahr 1954 auf einer Kreuzfahrt. 1962 heirateten die beiden, 1975 wurde Sofía mit Juan Carlos’ Krönung zur Königin. Sie lernte schnell Spanisch, konvertierte von der griechisch-orthodoxen zur katholischen Kirche und fühlt sich heute, wie sie versichert, «zu 100 Prozent als Spanierin».

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