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SPALTUNG: Ein bedächtiger Fahnenflüchtiger

Als Berner Regierungsrat war Urs Gasche eine treibende Kraft bei der Gründung der BDP. Nun tritt er als Nationalrat ab. Viel bewirkt habe er im Parlament nicht, sagt er.

Grimmig stand das Berner SVP-Urgestein Hermann Weyeneth im Türrahmen und beobachtete die Fahnenflüchtigen im Schlossgut-Saal in Münsingen. Man schrieb den 21. Juni 2008. Am Rednerpult stand Urs Gasche, der damalige Berner SVP-Regierungsrat. «Heute passiert etwas, das für die politische Kultur dieses Landes Bedeutung haben wird», sagte er. Einige Minuten später spaltete sich die Versammlung liberaler SVP-Politiker von der Mutterpartei ab. Die erste Kantonalpartei der BDP war Tatsache. Einige Tage zuvor hatte die SVP Schweiz die Bündner Kantonalpartei mit Eveline Widmer-Schlumpf aus der Partei geworfen, weil diese Christoph Blocher aus dem Bundesrat verdrängt hatte. Weyeneth sollte später zur Szenerie im Schlossgut-Saal sagen: «Ich konnte zwar nichts dagegen tun, aber dachte mir, ein letztes Mal müsst ihr noch diesen Grind anschauen, wenn ihr eine neue Partei gründet.»

Gasche war mit Hans Grunder und Ursula Haller die treibende Kraft hinter der Operation Bubenberg, die zur Abspaltung führte. «Ich bereue nichts», sagt Gasche heute. «Für mich war klar, dass wir handeln mussten. Hätten wir den Rauswurf der Bündner akzeptiert, wäre es nicht lange gegangen und wir wären an der Reihe gewesen.» Nicht alle sahen das so. Etablierte Politiker wie Weyeneth schrien Verrat. Durch die SVP Kanton Bern ging ein tiefer Riss. Einst befreundete Politiker wichen sich aus, es kam zu bösen Worten. «Es war eine Phase, die sehr weh tat», sagt Gasche.

Es war eine turbulente Episode, die kaum zu Gasches politischer Karriere passt. Vom Gemeinderat über die Berner Kantonsregierung ging es schliesslich in den Nationalrat – eine typische Schweizer Politkarriere. Gestern hat der 62-Jährige seinen Rücktritt per Ende Juni bekanntgegeben. An seine Stelle tritt Heinz Siegen­thaler, der bereits einmal im Nationalrat sass, 2015 aber abgewählt wurde.

Gasche sagt, er wolle wieder mehr Zeit haben für Familie und seine beruflichen Engagements, unter anderem für das Präsidium des Berner Stromkonzerns BKW. Seine Arbeit im Nationalrat beurteilt er kritisch. Er sei aufgrund der Arbeitsbelastung wohl nur ein mittelprächtiger Nationalrat gewesen, sagt er. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich enorm viel bewirkt habe.» Überhaupt hat ihm die Rolle als Exekutivpolitiker mehr behagt, wie er sagt. «Hier konnte ich deutlich mehr Verantwortung tragen als im Bundesparlament.»

Roger Braun

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